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Lehrpläne Hessen
Hauptschule
Katholische Religion
inhaltsbezogen
5.1 Sich etwas zutrauen. Angenommensein: Selbstvertrauen und Glaube
8
5.2 a Ehrfurcht vor der Schöpfung. Verantwortung für die Natur und Schöpfungsglaube
11
5.2 b Evangelisch-katholisches Gemeinschaftsprojekt: Bewahrung der Schöpfung
23
5.3 Jesus von Nazaret. Sein Reden und Handeln als Frohe Botschaft
10
5.4 Gemeinsam Kirche sein. Frühe Kirche und Gemeinde heute
10
6.1 Mein Recht und das Recht der anderen. Gerechtigkeit und die neue Gerechtigkeit Jesu
12
6.2 Religiöses Leben an unserem Ort. Religiöse Symbole entdecken und deuten
11
6.3 Auf Gott vertrauen. Abraham als Vater des Glaubens
9
6.4 In der Nachfolge des Herrn. Eucharistie, Diakonie, Kirchenjahr
10
7.1 Schuld und Vergebung. Gewissen, Umkehr, Versöhnung
11
7.2 Dem Islam begegnen. Auseinandersetzung und Toleranz
9
7.3 Gott will die Befreiung. Exodus: Geschenk und Auftrag
8
7.4 Christus bekennen. Die Sakramente der Taufe und Firmung
11
8.1 Ein eigener Mensch werden. Entwicklung der Persönlichkeit
8
8.2 Gottesbilder im Leben der Menschen. Menschliche Vorstellungen und Offenbarung
10
8.3 Die Botschaft vom Reich Gottes. Gleichnisse, Wundererzählungen
8
8.4 a Auseinandersetzung in der Kirche. Von der Reformation zur Ökumene
9
8.4 b Evangelisch-katholisches Gemeinschaftsprojekt: Evangelisch -Katholisch
24
9.1 a Sehnsucht nach einem erfüllten Leben. Sinn und Lebensglück
11
9.1 b Evangelisch-katholisches Gemeinschaftsprojekt: Wofür es sich zu leben lohnt
29
9.2 Einander lieben und miteinander leben. Partnerschaft, Liebe, Treue
11
9.3 Juden und Christen – eine leidvolle Geschichte. Geschwister im Glauben
11
9.4 Vom Tod zum Leben. Leiden, Kreuz und Auferstehung
11
9.5 Arbeiten müssen – arbeiten dürfen. Menschenwürde und Solidarität
2
Keine Kompetenz enthält diesen Suchbegriff.
Sehen
Menschen neigen oft zu Selbstüberschätzung oder zu Minderwertigkeitsgefühlen. Sie müssen eigene Fähigkeiten entdecken und Schwächen annehmen.
Angst vor Ablehnung und Versagen kann lähmen. Zuwendung, Zutrauen, positive Verstärkung fördern Selbstvertrauen, setzen Energien frei.
Gestalten der Bibel und Kirchengeschichte verdeutlichen, wie Selbstvertrauen auf eigenem Können und Gottvertrauen beruht (David: 1 Sam 17); sie sind auch Beispiele dafür, dass Menschen oft von Gott zu ihrer Berufung, ihrer Bestimmung hingeführt werden mussten (Propheten, Martin von Tours) bzw. trotz ihrer Unzulänglichkeiten von Gott in Dienst genommen wurden (Petrus, Paulus).
Urteilen
Angst hat viele Gründe: Unsicherheit -Überforderung -Geringschätzung durch andere -Selbstablehnung -Alleinsein.
Selbstvertrauen entwickelt sich durch von Gott geschenktes Vertrauen.
Biblische Beispiele geben Maßstäbe, wie Menschen aus dem Glauben heraus Versagensängste überwinden, Zutrauen zu Gott, zu sich selbst, zu Mitmenschen gewinnen und neuen Mut fassen (Petrus: Mt 14,22-33; Maria).
Handeln
In Gebeten (Klagepsalmen) bringen Menschen ihre Unfähigkeit zum Ausdruck und bitten Gott um Trost und Hilfe, zeigen sich aber gleichzeitig von unerschütterlichem Gottvertrauen getragen.
In Rollen- und Interaktionsspielen können Selbstwertgefühl und Vertrauen erlebt und gestärkt werden: anderen die eigenen Gefühle mitteilen, anderen Mut zusprechen statt sie abzuwerten.
Sehen
Riten und Gebräuche (Erntedank, Ostern u.a.) machen vertraut mit der Symbiose von Mensch und Natur.
Menschen sind in Versuchung, nur das als wertvoll anzusehen, was sie selbst geschaffen, hergestellt haben. Die Natur wird oft nicht als wertvoll erkannt, schon gar nicht als Geschenk Gottes.
Die Natur als Ganzes lässt sich in vier Grundelementen erfahren: Erde, Feuer, Wasser, Luft.
Die Bibel beschreibt in Psalmen die Schönheit der Schöpfung (Ps 104).
Urteilen
Heute, wie auch in früherer Zeit, fragt sich der Mensch nach seinem Ursprung.
Die biblische Schöpfungserzählung sieht den Menschen als Geschöpf und Ebenbild Gottes mit dem Auftrag, die Welt ordnend zu gestalten.
Gängige Maßstäbe im Verhalten gegenüber Natur und Umwelt sowie gegenüber Kultur und Technik müssen überprüft und hinterfragt werden.
Das Beispiel eines Franz von Assisi kann zur Nachahmung anregen oder zur Auseinandersetzung herausfordern.
Handeln
Die Einsicht, dass jedes Geschöpf seine eigene Würde hat, leitet an zu verantwortlichem Handeln.
Auf dem Weg der Erkundung oder auch des meditierenden Erschließens lassen sich Wunder der Natur bewusst machen.
Aus dem Schöpfungsauftrag ergibt sich die Notwendigkeit zu umweltbewusstem Handeln (schulbezogene Projekte).
I Wahrnehmen
Der Mensch steht nicht der Natur gegenüber; er ist Natur. Er ist in die Zusammenhänge der Natur
eingebunden, gleichzeitig auch deren Gestalter. Durch jedes Handeln greift er -häufig unbewusst -in
die Natur ein. Naturgestaltung, Fortschritt, Technik erleichtern die Lebensbedingungen des
Menschen; er spürt die Folgen seines Handelns aber auch lebensbedrohend. Gefährdet sind: Luft,
Wasser, Erde, Tier- und Pflanzenwelt und das eigene Wohlbefinden.
II Reflektieren
Der biblische Gott befreit den Menschen zum wissenschaftlichen und technischen Umgang mit der
Welt. Technik und Naturwissenschaft haben den Menschen zwar von vielen Lasten und
Gefährdungen befreit, gleichzeitig kehren sich seine Schöpfungen gegen ihn. Der Mensch muss sich
als Bewahrer, Ordner und Gestalter der Schöpfung verstehen; so verwirklicht er Gottes Auftrag.
III Aktiv werden in Projekten
Natur erleben; Stille hören; Dunkelheit schätzen lernen; die natürlichen Rhythmen respektieren;
Umweltschutz; Wasser sparen; Energie sparen; gesunde und jahreszeitgemäße Ernährung; bewusst
leben; sinnvolle Freizeitgestaltung; Gottesdienste; Gebete und Meditation.
Projektideen
Klassenraum, Schulgebäude und Schulhof sauber halten
Recycling-Projekte, z.B. Verkauf umweltfreundlichen Schulmaterials in der Schule
Betriebe besuchen und auf Umweltfreundlichkeit hin bewerten
Projekt Schulgarten
Gemüsekalender entwerfen
gemeinsam ernährungsbewusst frühstücken
Naturführungen
Nachtwanderung
Patenschaft (Biotop, Bäume)
Tierschutzprojekt
Schöpfung musikalisch, tänzerisch, meditativ nachempfinden.
Sehen
Biblische Realienkunde (Zeit und Umwelt) erhellt Jesu Leben, Botschaft und Handeln.
Jesus gerät auf Grund seiner befreienden Botschaft in Spannung zu Vorschriften und Bräuchen seiner Zeit: Sabbat -Geringschätzung der Armen und Kranken - Abgrenzung gegen die Samaritaner.
Sein Verhalten verwickelt ihn in Konflikte von Gruppen der damaligen Gesellschaft: übersteigerte Gesetzestreue mancher Pharisäer -Römische Besatzungsmacht - Kumpanei der Zöllner mit den Römern.
Seine Botschaft fordert zum Wahrnehmen von Menschen heraus, die Zuwendung brauchen: Der Überfallene im Samaritergleichnis -Bartimäus – Kinder
Urteilen
Für Juden ist die Tora Grundlage ihres Glaubens. Auch Jesus war strenggläubiger Jude (Mt 5,17-20). Er schätzt die Tora und die Pharisäer hoch, entscheidet sich aber auch gegen einzelne Gesetzesvorschriften für das Heil der Menschen.
Jesus ist Freund und Helfer der Armen und Kranken und fordert Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.
Menschen entscheiden sich für die Nachfolge Jesu und sorgen sich um Arme, Kranke und Ausgegrenzte.
Jesu Beziehung zum Vater verändert das Leben der Glaubenden: Vaterunser.
Handeln
Im handelnden Umgang mit den Vaterunser-Bitten wird deutlich, dass sich das christliche Gottesbild an Jesu Vaterbild orientiert (Bilderfries, Gestaltung durch Gebärden).
Die Nachfolge Jesu fordert immer wieder zu caritativem Handeln heraus: Sternsinger, Kinderfastenaktion.
Sehen
Die Emmausjünger erfahren den Gekreuzigten als lebendig in der Begegnung und im Erschließen der Schriften und erleben Gemeinschaft mit dem Auferstandenen beim Brotbrechen (Lk 24,13-35).
Die Apostelgeschichte zeichnet ein Idealbild von Gemeinde als Glaubens- und Lebensgemeinschaft mit den Säulen Verkündigung, Liturgie und Diakonie.
Im heutigen Gemeindeleben sind diese ursprünglichen Säulen wiederzufinden.
Die Entstehung des Neuen Testamentes ist Fundament für die Weitergabe des Glaubens.
Urteilen
In der Gemeinschaft der Kirche kann Glaubensleben erfahren und spirituelle Bereicherung erlebt werden (gemeinsames Beten, Gottesdienst, Sakramente, Feste im Kirchenjahr, soziale/diakonische Gemeindedienste).
Die Entscheidung, sich im kirchlichen Gemeinschaftsleben zu engagieren, kann unterschiedliche Gründe haben: Begeisterung, Nachahmung, Geborgenheit, Sympathie.
Viele Menschen begegnen heute dem Christentum allenfalls in kulturellen Errungenschaften (Feiertage, Feste), in Medien, Literatur, Kunst, Musik oder im schulischen Leben (Religionsunterricht, Gottesdienste).
Handeln
Das Ideal von Glaubens- und Lebensgemeinschaft muss neu erfahrbar gemacht werden: Im Religionsunterricht, in schulischen Projekten und in Schulgottesdiensten kann Glaubensgemeinschaft erlebt werden.
Durch Begegnung (Besuch von Kirchen, Gemeinden, Klostergemeinschaften, religiöse Freizeiten, Katholikentage) wird an praktiziertes Glaubensleben herangeführt.
In zeitgemäßen Formen von Gottesdienst und Gemeindeleben kann die befreiende Kraft christlicher Gemeinschaft deutlich erfahren werden (neue Lieder, Jugendgottesdienste, Basisgruppen, Bibelkreise, diakonische Projekte).
Sehen
Die Frage nach Recht und Unrecht zielt oft nur auf die eigene Position und sieht zu wenig das Recht des anderen.
Wenn alle bloß auf ihrem Recht beharren, entstehen Konflikte.
Menschen sind blind dafür, dass ihr Recht das Recht anderer beeinträchtigt (David und Natan: 2 Sam 11,1 -12,7).
Gleichbehandlung kann auch Unrecht bedeuten.
Jesus handelt nicht nach dem Gleichheitsprinzip; er schaut auf die Person und ihre Lebensbedingungen (Zachäus: Mk 2,13-17).
Urteilen
Eigenes Fehlverhalten wird oft erst aus der Distanz heraus erkannt.
Menschen, die gegen den Trend handeln, werden oft belächelt oder erfahren Widerspruch.
Die Eigenart und die Existenzbedingungen anderer zu berücksichtigen, ist Grundlage für Gerechtigkeit nach dem Maßstab Gottes (Gleichnis vom gleichen Lohn für ungleiche Arbeit: Mt 20,1-15).
Handeln
Das Handeln nach Mt 7,12 erweist sich als Kriterium für gerechten Umgang miteinander.
Erwartungen an andere (in der Familie, in der Klasse, in der Schulgemeinschaft) werden formuliert.
Aus den Erwartungshaltungen anderer ergeben sich Konsequenzen für das eigene Verhalten; diese können Grundlage für eine positiv formulierte Klassen- oder Schulordnung sein, die als Projekt erprobt werden kann.
Eigene Rechtsansprüche aufzugeben und Gnade vor Recht ergehen zu lassen sind Konkretionen der Bergpredigt und können an Beispielen aus dem eigenen Erfahrungsbereich erlebt und eingeübt werden.
Sehen
Die nahe Umwelt bietet eine Fülle religiöser Phänomene und Spuren des Religiösen, die traditionell christlich sind, aber zunehmend auch auf andere Religionen hinweisen.
Bei aufmerksamem Gang durch Straßen und über Wege lassen sich Symbole entdecken, die eine tiefere Bedeutung haben als funktionale Zeichen.
Menschliches Leben wird begleitet von grundlegenden Symbolen wie Haus, Tür, Wasser, Licht, Baum, Stein.
Urteilen
Dinge des Alltags werden zum Ausdruck des Glaubens: Tisch -Brot -Licht -Sonne - Kreuz. Als religiöse Symbole verweisen sie auf eine andere Wirklichkeit und müssen erschlossen werden.
Auch andere Religionen drücken ihre religiöse Lebenseinstellung in Symbolen und Erkennungszeichen aus.
Das Kennen lernen von Äußerungen religiösen Lebens (Versammlungsorte, Feste, Brauchtum) zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
Das Kreuz als zentrales christliches Symbol drückt die Beziehung zu Jesu Leben, Tod und Auferstehung aus.
Handeln
Sehen, Hören, Fühlen werden gefördert durch Einübung in die Stille.
Durch Einladung von Vertretern anderer religiöser Gemeinschaften in den Unterricht bzw. bei Unterrichtsgängen zu religiösen Orten und Zentren kommt es zu authentischen Begegnungen.
Begegnung dient der besseren Kenntnis, dem Überwinden von Vorurteilen, dem Entwickeln von Toleranz und der Verbesserung der Beziehungen.
Die Gestaltung eines gemeinsamen Kalenders der religiösen Feste bereichert das Schulleben.
Sehen
Abraham und seine Nomadensippe müssen wiederholt aus ihrem Heimatland aufbrechen und einem ungewissen Ziel entgegenziehen.
Gott schließt einen Bund mit Abraham, verheißt ihm und seinen Nachkommen eine große Zukunft (Gen 12, 1-9; 13; 15,1-6) und lässt ihn zum Segen für alle werden.
Abraham und Sara erleben einen Gott, der sich in menschlichen Grundsituationen - Gastfreundschaft, Wunsch nach Kindern, Rettung aus Bedrängnis -zu erkennen gibt (Gen 18).
Urteilen
Abraham erfährt seinen Gott als einen, der mitgeht und führt. Das jüdisch-christliche Gottesbild ist mehrdimensional: Gott als Freund, Bundespartner, Segensspender.
Abraham als Vorbild des glaubenden Menschen begreift seinen Lebensweg als von Gott geleitet und entwickelt daraus Vertrauen auf künftige Führung durch Gott. Dieses Gottvertrauen wird von heutigen Menschen oft in Frage gestellt.
An Abrahams Wertschätzung werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede von drei Weltreligionen deutlich (Isaak-, Ismaelgeschichten in Bibel und Koran).
Handeln
Im Schulalltag ist die Erfahrung von Verlässlichkeit und Treue bedeutsam.
Es ist lohnend und bereichernd zu erkunden, wie lebendig Abraham als Glaubensvorbild in der religiösen Tradition der drei monotheistischen Religionen ist: Bildliche Darstellungen, Legenden, Gebete, Lieder, Brauchtum (z. B. islamisches Opferfest).
Im Nachvollzug von Wallfahrten wird erlebbar, dass Glaubende der abrahamitischen Religionen sich als „Menschen unterwegs“ begreifen.
Sehen
Geburtstage, Jubiläen, Gedenktage sind Anlässe zu Feiern, die Menschen zusammenführen; sie sind Zeichen der Freude und der Erinnerung und stiften Gemeinschaft.
Das Kirchenjahr lädt zum Innehalten und Feiern ein; seine Feste (Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Marienfeste) haben ein Brauchtum, das durch Riten und Symbole gekennzeichnet ist.
Am Sonntag als „Tag des Herrn“ kommen Christen zur Feier der Eucharistie zusammen; sie feiern Leben, Tod und Auferstehung Christi. In Brot und Wein ist Christus gegenwärtig.
Kirche ist nicht nur sonntags für die Menschen da: diakonische Dienste, Beratungsdienste, Bibel- und Gesprächskreise, Jugendgruppen.
Urteilen
Kirchliche Feste sind Erinnerung an das Heilshandeln Gottes. Oft ist dies nicht mehr im Bewusstsein der Menschen (Weihnachten, Ostern).
Eucharistie und Diakonie sind Gottes-Begegnung und Gottes-Dienst; durch Gottes Dienst an uns Menschen und durch seine Begegnung mit uns erhalten wir Gemeinschaft mit ihm.
Das Leben von Heiligen zeigt oft vorbildhaft Frömmigkeit und diakonisches Handeln.
Handeln
Feste und Feiern gehören im Sinne eines Jahresfestkreises zu den Ritualen des Schullebens.
Die Eucharistie leitet dazu an, im Alltag aufeinander zuzugehen und miteinander zu teilen. Im Sakrament lädt Jesus Christus selbst zur Begegnung mit ihm ein.
Die Begegnung mit Menschen, die die Nachfolge Jesu praktizieren (Ehrenamtliche im Dienst der christlichen Gemeinde, Gruppenleiter, Besuchs- und Pflegedienste), ermutigt zur aktiven Teilnahme am Leben der Gemeinde.
Sehen
Falsches Verhalten wird oft verharmlost, Schuld verdrängt oder auf andere Menschen und äußere Umstände abgeschoben (Sündenbockmechanismus, Unschuldswahn).
Zu allen Zeiten haben sich Menschen in ihrem Verhalten an Maßstäben orientiert (Gebote, Regeln). Es gibt Beispiele, in denen Einzelne sich gegen den Trend nach ihrem Gewissen entschieden haben (Thomas Morus, Elisabeth von Thüringen).
Menschen haben ein Bedürfnis nach Vergebung und Versöhnung. Im Bußsakrament erfahren die Gläubigen Lossprechung von Schuld und Sünde und Zuspruch zum Neuanfang.
Urteilen
Der Mensch hat ein Gewissen; Gewissensbildung ist eine bleibende Aufgabe.
Die Zehn Gebote und das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe sind Weisungen zu einem gelingenden Leben.
Biblische Maßstäbe stehen oft in Spannung zu anderen Lebensregeln („Gut ist, was nützt”; „Do ut des").
Gott nimmt den Menschen gerade dann an, wenn er schuldig geworden ist (Gleichnisse vom Verlorenen: Lk 15; Jesus und die Ehebrecherin: Joh 8,1-11).
Vergebung und Versöhnung durchbrechen den Teufelskreis von Schuld und schaffen neue Wege in eine gemeinsame Zukunft.
Handeln
Menschen erfahren Befreiung durch Vergebung und fühlen sich neu angenommen (Vergebungs- und Versöhnungsgeschichten im Alltag).
Das Bußsakrament und weitere Formen der Sündenvergebung sind auf das Heilsein des Menschen ausgerichtet.
Vergebung und Versöhnung lassen sich in Symbolen, Gesten und Worten ausdrücken.
Sehen
Das Wahrnehmen konkreter Lebensformen des Islam, besonders islamischer Feste, und das Gespräch mit Muslimen vermitteln Kenntnisse über wichtige Glaubensinhalte und lassen Schwierigkeiten bei der Ausübung ihrer Religion in unserer Gesellschaft deutlich werden.
Der Islam ruht auf fünf Säulen (Glaubensbekenntnis, Gebet, Almosen, Fasten, Wallfahrt), die das gesamte Leben der Muslime prägen.
Das Leben Mohammeds als Vorbild und die Botschaft des Koran als Gottes Wort und Weisung regeln entscheidend Leben und Verhalten der Muslime.
Urteilen
Der islamische Glaube lebt von der Ergebung in den Willen Gottes und seiner Gerechtigkeit.
Die Beschäftigung mit ausgewählten Stellen des Koran ermöglicht einen Vergleich mit dem Christentum: Gottesbild -Abraham -Jesus -Maria.
Der Koran reiht Jesus als Sohn der Maria in die Reihe der Propheten ein, deren letzter Mohammed ist. Das Neue Testament verkündigt Jesus als Sohn Gottes.
Die festen Formen des Betens, das Fasten und die Armensteuer stellen eine Anfrage an den Sinn und die Ernsthaftigkeit entsprechender christlicher Glaubenspraxis dar.
Handeln
Der Besuch von Moscheen, Kulturzentren oder Ausstellungen und die Begegnung mit Muslimen im Unterricht fördern das Verständnis zwischen den Religionen.
Schulische Projektveranstaltungen, z.B. „Wie Muslime leben und glauben“, ermöglichen neue Begegnungen und wecken Interesse für andere Menschen und ihre Überzeugungen.
Sehen
Erzählung, Verschriftlichung und redaktionelle Bearbeitung der Exodusüberlieferung bezeugen die Heilsgeschichte Israels.
Die Symbole des jüdischen Pessachfestes haben ihren Ursprung im Exodus.
In die Exoduserzählungen hat das Volk Israel seine prägenden Glaubenserfahrungen eingebettet: Erwählung, Rettung, Bundesschluss, Gesetzgebung, Pessach, aber auch: Wüstenerfahrung, Mangel, Ungeduld, Abfall vom wahren Glauben. Die Liturgie der Osternacht greift die Exodustradition auf.
Menschen suchen Freiheit und setzen dafür sogar ihr Leben aufs Spiel. Die Verfolgung von religiösen und ethnischen Minderheiten zeigt, dass auch heute die Freiheit immer wieder bedroht ist.
Urteilen
Zum Erleben der Befreiung durch Jahwe gehört unauflöslich die Verpflichtung auf sein Gesetz: Der Dekalog beginnt mit der Zusage: ”Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus” (Ex 20,2; Dtn 5,6); er ist vor allem Weisung zu einem befreiten Leben. Kriterien für den Erhalt der Freiheit sind: Achtung von Leben und Eigentum, soziale Verantwortung.
Exoduserfahrungen wurden immer wieder aufgegriffen (im Babylonischen Exil: Priesterschrift und Psalmen; in den Spirituals der amerikanischen Sklaven).
In ihrem Glaubensleben erfahren Menschen immer wieder die Treue ihres Gottes und gewinnen daraus Kraft und Lebenssinn (Ruth Pfau).
Handeln
Menschen setzen sich in religiösen und humanitären Organisationen für Unterdrückte und Verfolgte ein. Gespräche mit Vertretern von Menschenrechtsorganisationen (Amnesty International, Internationale Gesellschaft für Menschenrechte, Pax Christi, Pro Asyl) und Teilnahme an deren Aktivitäten vermitteln heutige Exoduserfahrungen.
Sehen
Menschen begeistern sich für Ideen und Idole und versprechen sich davon Anerkennung, Zugehörigkeit, Erfüllung.
Die Zugehörigkeit zur Glaubensgemeinschaft der Christen zeigt sich in der Teilnahme an Gottesdiensten und kirchlichen Veranstaltungen, am Religionsunterricht, im Gebet und Ritual, in familiärer religiöser Praxis
Die Symbole von Taufe und Firmung drücken die Aufnahme in die Gemeinschaft der Kirche aus und lassen ganzheitlich das Heilsangebot Gottes erfahren.
Urteilen
Das Bekenntnis zum christlichen Glauben fällt in der Öffentlichkeit, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Freundeskreis oft schwer.
Die Unterscheidung der Geister verlangt bewusstes Ja-Sagen zur lebensbejahenden Botschaft Jesu und Nein-Sagen zu einengenden und lebensfeindlichen Kräften.
Mitmenschliches Handeln kann von unterschiedlichen Motiven geprägt sein. Christen fühlen sich dabei vom Wirken des Geistes Gottes geleitet.
In der Firmung sagt der gläubige Mensch bewusst Ja zu den Gnadengaben des Geistes und entscheidet sich zur aktiven Christusnachfolge.
Handeln
Geistesgegenwärtiges Handeln heißt: Gestaltung von mitmenschlichen Beziehungen. Es gilt, Sensibilität für die Bedürfnisse des Mitmenschen zu entwickeln durch Bereitschaft zum Zuhören, Zurücknahme der eigenen Person, Verständnis durch Worte und Gesten.
Aktivitäten in der Gemeinde (Gruppenleiter, Besuchsdienste) und in der Schule (Schülervertretung, Klassenämter, Hausaufgabenhilfe) sind wichtige gemeinschaftsfördernde Dienste.
Besuche und Mithilfe in Behinderteneinrichtungen, Aktionen mit Behinderten sind gelebte Nächstenliebe.
Die Mitgestaltung von Schulgottesdiensten, Gebetszeiten und religiösen Formen wie Meditation und Besinnungstage sind Ausdruck christlichen Bekenntnisses in der Schulgemeinschaft.
Sehen
In Wünschen, Sehnsüchten, Träumen drückt sich die Suche nach dem Ichsein aus. Das Verarbeiten von Ängsten und Problemen und die Abgrenzung von anderen sind Wege zur Selbstwerdung.
Die Einzigartigkeit des Menschen und die Einmaligkeit jedes Einzelnen sind Geschenk Gottes (Jes 43,1; 49,16).
Das grundsätzliche Angenommensein von Gott befähigt zur Annahme der eigenen Person und der Mitmenschen (Lk 15,11-32).
Urteilen
Zur Herausbildung der persönlichen Meinung und zur Entwicklung von Wertmaßstäben gehört die Auseinandersetzung mit den Vorstellungen anderer.
Das Gleichnis von den Talenten ist eine Botschaft und Ermutigung, eigene Fähigkeiten zu suchen, zu akzeptieren, zu schätzen und zu vertiefen (Mt 25,14-30).
In den Evangelien wird deutlich, dass Menschen durch die Zuwendung Jesu “selbst werden”, ihren Eigenwert entdecken (Lk 7,36-50).
Handeln
Durch den Weg nach innen kann Selbstwertgefühl gefestigt werden.
Spielerisch kann an Fallbeispielen die Standortfindung erprobt werden.
Sehen
Menschen machen sich Gottesbilder: zur Orientierung in der kindlichen Welt, als Ausdruck ihrer Kultur, aus Sehnsucht nach dem Ganzen und Vollkommenen.
Das Erste Testament zeigt ein vielgestaltiges Gottesbild: Vater, Mutter, König, Herr, Heerführer, Hirt, Sonne, Feuer, Licht, Wind, Henne, Adler. Es spricht wichtige Grundzüge Jahwes an: seine Unverfügbarkeit (Bilderverbot), Selbstoffenbarung, Verborgenheit und Nähe, Weggemeinschaft, Eifersucht, Schöpfung und Vollendung.
Menschen haben ihre Vorstellung von Gott in greifbaren Götzenbildern ausgedrückt (Goldenes Kalb: Ex 32). In modernen Götzen (Konsum, Sport, Medien, Technik, Schönheit, Stars, Sex) und Heilslehren (Sekten, Esoterik, Jugendkultur, Suchtverhalten) setzt sich dieses Verlangen fort.
Jesus veranschaulicht Gott in situativen Bildern (Bildworte, Parabeln und Beispielerzählungen, Seligpreisungen).
Urteilen
Gottesbilder in den verschiedenen Kulturen sind von konkreten Erfahrungen bestimmt: der Mensch sieht sich von guten und bösen Mächten umgeben, in Gebet und Opfer sucht er Halt und Sicherheit für das Leben.
In seiner Selbstoffenbarung („Ich bin der, der für euch da ist”: Ex 3,14) gibt sich Gott als der zu erkennen, der mit den Menschen auf dem Weg ist und sich ihnen immer wieder zuwendet.
Durch sein besonderes Verhältnis zu Gott und sein Reden über Gott setzt Jesus Maßstäbe für christliche Gottesvorstellungen (Vaterunser).
Handeln
Die Gottesvorstellungen des Vaterunsers regen zur kreativen Umsetzung an (Bilder, Collagen, Skulpturen, Legebilder).
Die Vielfalt der Aussagen über Gott in Symbolen lässt sich künstlerisch ausdrücken (Ytongsteine, Fingerfarben, Tanz, Musik).
Die Gottesbilder der Psalmen regen zur Gestaltung von Spruchkarten an.
Sehen
Staunen und Faszination ermöglichen einen anderen Blick auf die Wirklichkeit („Mit anderen Augen sehen“).
Heutige und biblische Bildsprache verlangen nach Wahrnehmung und Entschlüsselung („Sehen und Dahinterschauen“).
Urteilen
Wünsche und Bedürfnisse werden aufgenommen und geradezu ausgenutzt in Werbespots, Videoclips, Musik.
Gleichnisse stellen gängige Maßstäbe auf den Kopf und eröffnen eine neue Wirklichkeit: Neue Gerechtigkeit -Gleichnis vom gleichen Lohn für ungleiche Arbeit (Mt 20,1-16). Notwendigkeit, die eigenen Möglichkeiten einzusetzen -Das Gleichnis von den Talenten (Mt 25,14-30).
Jesus zeigt im Heilshandeln an Kranken und Besessenen die befreiende Wirkung des anbrechenden Gottesreiches: Befreiung von dämonischen Mächten -Die Heilung des Besessenen von Gerasa (Mk 5,1-17). Sehend werden im Glauben -Die Blindenheilung (Mt 9,27-31).
Bei der Auslegung von Wundererzählungen gilt es auch, zeitbedingte Vorstellungen zu erkennen.
Handeln
Gleichnisse und Wundererzählungen schenken Zuversicht und Hoffnung und ermutigen zu neuem Handeln „Dann geh und handle genauso!“ (Lk 10,37). In Alltagsbegebenheiten lassen sich Spuren des Reiches Gottes entdecken.
Christen versuchen in ihrem Alltag und besonders in der Begegnung mit Kranken, Alten, Behinderten, Abhängigen immer wieder, das Reich Gottes zu leben.
Sehen
Es gibt Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Glaubensleben, im Erscheinungsbild, in den gelebten Traditionen und in der Kirchenstruktur.
Aus den jeweils eigenen Traditionen der Kirchen erwachsen Spannungen sowohl im individuellen als auch im zwischenkirchlichen Bereich.
Die Rückbindung an die Bibel ist ein gemeinsames Anliegen der Kirchen.
Veränderung des Weltbildes, Endzeitstimmung, kirchen- und weltpolitische Hintergründe sind Auslöser der Reformation.
Urteilen
Wie Martin Luther in seiner Situation suchen Menschen auch heute nach Sicherheiten und nach Antworten auf existentielle Fragen im Evangelium. Katholische Christen beziehen auch die Tradition der Kirche ein.
Die Grundanliegen Martin Luthers fordern zu einem Vergleich mit Positionen der katholischen Kirche heraus.
Nach einer jahrhundertelangen Trennungsgeschichte strebt die ökumenische Bewegung ein Miteinander in Vielfalt an.
Handeln
Beispiele für ökumenisches Miteinander in den Gemeinden können in der jeweiligen Region aufgespürt werden.
Gemeinsame Projekte im Religionsunterricht fördern das Verständnis füreinander.
I Wahrnehmen
Typisch evangelisch: Konfirmation, Pfarrerin, Luther
Typisch katholisch: Papst, Zölibat, Erstkommunion
Glaubensleben: Gottesdienst, Feste, Sakramente, Kloster, Beten, Prozessionen
Kirche in der Gesellschaft: Diakonie, Misereor, Brot für die Welt, Kirchensteuer, Bildungs- und Sozialeinrichtungen, Religionsunterricht
Kirche als Institution: Landeskirche, Diözese, Vatikan, Gemeinde
Gründe für Konfessionszugehörigkeit: religiöse Sozialisation, Elternhaus, Konfessionswechsel,
persönliche Glaubensentscheidung
II Reflektieren
Ordnen der gesammelten Ergebnisse nach Unterschieden, Gemeinsamkeiten, Vorurteilen
Frage nach den Ursachen von Spaltungen in den christlichen Kirchen (Vorgeschichte und Geschichte
der Reformation, orthodoxe und anglikanische Kirche, Zeitalter des Konfessionalismus und 30jähriger
Krieg)
Unterschiede am Beispiel der Sakramente, der Kirchenräume und des Bibelverständnisses
Der Reformator Martin Luther
Gemeinsamkeiten und Begegnungen (Bibel als Grundlage christlichen Glaubens, Ökumene,
Diakonie)
Projektideen
Landkarte der Bekenntnisse (regional/weltweit)
Konfessionelle Spurensuche (Gemeinden im Ort/in der Stadt; in der Familie: Taufe, kirchliche
Trauung, konfessionsverschiedene Ehen)
Ausstellung (z.B. die Bibel als Buch, christliche Persönlichkeiten, Kirche vor Ort)
Ökumenischer Parcours in der Schule (Raum der Stille, Fragestationen, Kirchenvertreter als
Gäste, Ratespiele, Begegnungen mit der älteren Generation)
Kirchliche Räume und Rituale erkunden
Konfessionsgeprägte Bräuche (Fastnacht, Essgewohnheiten, Fastentraditionen)
Die Jahrgangsstufe 9
Sehen
Verliebtsein -Liebeskummer; Erfolg -Misserfolg; Anerkennung -Ablehnung sind Situationen, in denen das Lebensgefühl junger Menschen zwischen "himmelhoch jauchzend" und "zu Tode betrübt" pendelt.
Konflikte können aus der Bahn werfen und das ganze Leben in Frage stellen.
Konkurrierende Sinnangebote verleiten Jugendliche zum Ausprobieren verschiedener Lebenseinstellungen. Konsumismus, Suchtbefriedigung, übersteigertes Leistungsstreben, Streben nach äußerer Schönheit erweisen sich als Sackgassen.
Eigenständigkeit und Angenommensein sind Lebensziele.
Urteilen
Enttäuschungen und Unglücklichsein haben ihre Ursache auch in unrealistischen Erwartungen an das Leben, an den anderen, an sich selbst.
Leben kann nur gelingen, wenn es in ihm Träume und Ziele gibt, für die es sich lohnt, Einsatz zu wagen. Voraussetzung zum Glücklichsein ist, sich selbst anzunehmen.
In Beziehungen wie Partnerschaft, Familie, Gemeinschaften können Sinn und Lebensglück erfahren werden.
Lebensbilder zeigen Beispiele solidarischen Lebens (Mutter Teresa, Elisabeth von Thüringen, Mahatma Gandhi).
Beispiele der Nachfolge Jesu zeigen, dass auch der Verzicht und das Aufgeben von Bindungen zu neuer Solidarität befreien und erfülltes Leben schenken können (Jüngerberufung: Mk 1,16-20 parr., Der reiche Jüngling: Mk 10,17-31).
Handeln
Begegnungen mit Menschen, die durch Verzicht auf gängige Werte tiefere Sinnerfüllung finden, werden zur Anfrage an die eigene Lebensplanung und fordern zur Nachahmung heraus (sozialer Friedensdienst; Entwicklungshilfe; freiwilliges soziales/ökologisches Jahr; Pflegedienste).
Stille, Meditation, Gebet, Gottesdienst können Kraftquellen für das Leben sein.
I Wahrnehmen
Selbstwahrnehmung:
Jugendliche berichten von sich: Was macht mir Spaß? Was macht mir Angst? Was macht mich frei,
was legt mich fest? Worunter leide ich? Welche Werte sind mir wichtig? Wohin soll mein Leben
gehen?
Fremdwahrnehmung:
Andere nehmen mich wahr: Mein Ich im Spiegel der anderen
Ich nehme andere wahr: Welche Menschen begeistern mich? Welche machen mir Angst? Welche
lehne ich ab?
II Reflektieren
Glück und gelingendes Leben:
Lebensbilder geben Kriterien für gelingendes Leben
Voraussetzung zum Glücklichsein:
Vertrauenserfahrungen -Selbstannahme -Annehmen des anderen
Gottebenbildlichkeit (Gen 1, 26) -Bergpredigt (Mt 5-8) -Gleichnis von den Talenten (Mt 25, 14-30)
Enttäuschungen und Unglücklichsein haben verschiedene Ursachen:
in unrealistischen Erwartungen, in Versagen, in Beziehungsverlust, in Unkenntnis, in Fehleinschätzungen
Bewältigung von Leid:
Trauerarbeit -Kontakte suchen -Gebet -Botschaft der Religionen (Kreuz und Auferstehung -die vier
edlen Wahrheiten des Buddhismus -Jenseitshoffnung des Islam u.a.)
III Aktiv werden in Projekten
Für sich selbst:
in die Stille gehen (Meditation und Gebete) -Natur wahrnehmen -Musik hören -Körpererfahrung -
Hobby
Für andere:
konkreter Einsatz für bedrängte Menschen, bedrohte Natur, Frieden und Gerechtigkeit
Projektideen
Alte Menschen in meiner Umgebung (Lebensraum, Krankheit, Kontakte)
Fremde Kinder brauchen Hilfe (Sprache, Freizeit, Hausaufgaben)
Wir gestalten einen Meditationsraum für ein Schulfest (Symbole, Musik, Farbe)
Lebensmodelle in der Begegnung erfahren (Interviews mit Politikern, Ordensleuten,
Zivildienstleistenden, Sozialarbeitern, Umweltschützern u.a.)
Ökumenischer Gottesdienst: Wofür es sich zu leben lohnt (Liturgie, Lieder, Fürbitten)
Sehen
Liebe vermittelt Halt, Geborgenheit und Zärtlichkeit. Liebe zerbricht oft an Eifersucht, Egoismus, Bindungsangst, Misstrauen.
In der Öffentlichkeit wird Liebe meist gleichgesetzt mit Erotik und Sexualität und medienwirksam vermarktet.
Nach den biblischen Schöpfungserzählungen ist der Mensch als Abbild Gottes und als Mann und Frau auf Partnerschaft hin geschaffen (Gen 1,27f; 2,22-25).
Urteilen
In gegenseitiger Achtung und Zärtlichkeit wächst das Sich-Verstehen und Vertrautwerden.
Die Entfaltung der unterschiedlichen Dimensionen von Liebe in 1 Kor 13 ist eine Herausforderung für die Gestaltung der Partnerschaft.
In den Symbolen des Ehesakraments versprechen die Partner, sich ein Leben lang gegenseitig Liebe und Treue zu schenken, zu denen Gott den Menschen in seinem Bund berufen hat.
Ehelosigkeit aus Verzicht und als völlige Hingabe an Gott ist eine spirituell begründete Lebensform.
Handeln
Aktives Zuhören, Achtsamkeit auf die Gefühle des anderen, Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung lassen sich einüben.
In der Begegnung mit Verantwortlichen für Ehevorbereitungskurse können Jugendliche Anregungen bekommen für gelingende Partnerschaft.
Die Darstellung von Ehe und sexueller Partnerschaft in den Medien beeinflusst die eigenen Vorstellungen; konstruktive Kritik hilft zur Klärung.
Das Gespräch mit Priestern und Ordensleuten macht die Motive und die Plausibilität ihrer Lebensform verständlicher.
Sehen
Spuren jüdischen Lebens finden sich in Alltagssprache, Ortsgeschichte, Straßen- und Familiennamen. Sie sind Anlass, sich die Grundzüge des Judentums zu vergegenwärtigen.
Im Ersten Testament ist der gemeinsame Glaube an den einen Gott, den Jesus seinen Vater nennt, begründet.
Zu allen Zeiten haben Besonderheiten der Religion und der Lebensweise (Monotheismus, Sabbat- und Speisevorschriften, Opferverweigerung) das jüdische Volk in eine Außenseiterrolle gebracht und zum Sündenbock werden lassen.
Urteilen
Im jüdischen Glauben ist die Wurzel des Christentums zu entdecken.
„Der Glaube Jesu eint uns, der Glaube an Jesus trennt uns“ (Schalom Ben Chorin): An der Anerkennung seiner Messianität scheiden sich die Geister.
Der neuzeitliche Antisemitismus konnte auf Formen des historisch gewachsenen christlichen Antijudaismus zurückgreifen und ihn für seine Zwecke ausnutzen.
Erst das Wahrnehmen der Schoa hat bei den Christen eine Neubesinnung auf ihr Verhältnis zum Judentum in Gang gesetzt und einen christlich-jüdischen Dialog ermöglicht (II.Vaticanum, „Nostra aetate“ und Folgedokumente).
Handeln
Das Erkennen und Aufarbeiten von unterschwelligen und klischeehaften Antijudaismen in Liedern, Gebeten, bildlichen Darstellungen, Redensarten ist eine bleibende Aufgabe.
Projekte wie „Jüdisches Leben in unserer Stadt einst und jetzt“ dokumentieren die Spuren gemeinsamer deutsch-jüdischer Geschichte vor Ort (Straßen, Wohnviertel, Geschäfte, Friedhof, Synagoge, Bethaus, Stiftung).
Die Kenntnis jüdischer Bräuche, Sitten und Feste schärft den Blick für Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
Wachsamkeit gegenüber neuem Antisemitismus und das Gespräch mit Juden helfen Mauern abzubauen und tragen zur „Entfeindung“ und Versöhnung bei.
Sehen
Das Leiden und Sterben gerade junger Menschen wird oft als sinnlos und ungerecht empfunden. Der Tod macht fassungslos, bringt aber auch zum Nachdenken über das Woher und Wohin des Lebens.
Die Gesellschaft reagiert auf den Tod mit Verdrängung, Tabuisierung, Verharmlosung. Der Tod gehört nicht mehr zum Leben, das Sterben wird ausgegrenzt.
Die Bibel umschreibt Leid, Krankheit, Tod einerseits und Auferstehung, Leben andererseits mit Bildern von der Gottesferne und Gottesnähe (Psalmen, Ez 37,1-14, ntl. Wundererzählungen).
Das Kreuz ist vieldeutiges Zeichen, geliebt und gehasst.
Urteilen
In den Klagepsalmen äußern Menschen ihre tiefe Verzweiflung, gleichzeitig aber auch ihre Gewissheit der Rettung durch Gott (Ps 22).
Die Passionsberichte zeigen Jesus als einen, der leidet, und als den, der das Leid im Vertrauen auf Gott annimmt (Mk 15,34; Lk 22,46). Christen ziehen zu allen Zeiten aus dieser Erkenntnis Trost und Hoffnung in schwieriger Lebenslage (Krankensalbung, Isenheimer Altar).
Im Glauben an die Auferweckung Jesu bekennen sich die ersten Christen zu Gott, der das Leben will. Für den gläubigen Menschen wird die christliche Botschaft zur Gewissheit, die auch sein irdisches Leben verändern kann.
Auferstehungsähnliche Erfahrungen mitten im Leben verstärken die Hoffnung auf Rettung (2 Kor 1,8-11).
Handeln
Auferstehung im Leben ereignet sich überall da, wo Menschen Ängste überwinden, die Enge sprengen, Mauern einreißen, Ungerechtigkeiten abbauen, gegen den Strom schwimmen, gegen Widerstände und Unzulänglichkeiten vorgehen, Glück und Freude zum Durchbruch verhelfen.
In den Werken der Barmherzigkeit wird der Glaube an die Auferstehung erfahrbar („Woche für das Leben“).
Das Kreuz wird in der Kunst verschieden gedeutet; eigene Darstellungen geben ihm eine persönliche Bedeutung.
Sehen
Arbeit prägt das Leben des Menschen in unterschiedlicher Weise: „Arbeiten, um zu leben“ oder „Leben, um zu arbeiten“.
Durch Arbeit hat der Mensch Anteil am Schöpfungsauftrag, d.h. einerseits die Erde zu nutzen und zu gestalten (Gen 1,26ff), andererseits sie zu bebauen und zu bewahren
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