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Lehrpläne Rheinland-Pfalz
Gymnasium
Griechisch
prozessbezogen
Allgemeine Lernziele — Sprache
5
Allgemeine Lernziele — Methodik/Arbeitstechnik
4
inhaltsbezogen
Allgemeine Lernziele — Inhalt
4
Grundfach — Homerisches Epos
6
Grundfach — Tragödie (Euripides, Troerinnen)
4
Grundfach — Vorsokratische Philosophie
4
Grundfach — Platon I: Der platonische und der historische Sokrates — Platon, Apologie
3
Grundfach — Platon I: Der platonische und der historische Sokrates — Aristophanes, Wolken
4
Grundfach — Platon I: Der platonische und der historische Sokrates — Xenophon, Memorabilien
4
Grundfach — Platon I: Sicheres Wissen und Mathematik
5
Grundfach — Platon II: Grundzüge der Ideenlehre
3
Grundfach — Herodot, Historien
3
Grundfach — Rhetorik: Gorgias/Isokrates
11
Grundfach — Rhetorik: Lysias
5
Grundfach — Lukian
3
Grundfach — Antikes Fortschrittsdenken: Aelius Aristides
4
Grundfach — Neues Testament: Die Apostelgeschichte
3
Leistungsfach — Homerisches Epos
7
Leistungsfach — Tragödie: Sophokles — Antigone
4
Leistungsfach — Tragödie: Sophokles — König Ödipus
2
Leistungsfach — Vorsokratik und Sophistik
9
Leistungsfach — Platon I: Sokratisches Philosophieren
4
Leistungsfach — Platon II: Ideenlehre, Staatstheorie und Erziehung
13
Leistungsfach — Herodot, Historien
4
Leistungsfach — Thukydides: Variante 1 — Historische Methode
6
Leistungsfach — Thukydides: Variante 2 — Athen: Ideal und Wirklichkeit
7
Leistungsfach — Thukydides: Variante 3 — Macht und Moral: Der Melierdialog
9
Leistungsfach — Rhetorik: Gorgias/Isokrates
16
Leistungsfach — Lyrik und Elegie
5
Leistungsfach — Komödie: Aristophanes, Frösche
6
Leistungsfach — Basileios der Große, An die Jugend
5
Keine Kompetenz enthält diesen Suchbegriff.
Allgemeine Lernziele
Im sprachlichen Bereich sollen Wortschatz, grammatisches Basiswissen und die Kenntnis stilistischer Mittel gefestigt und autorenspezifisch erweitert werden.
Dazu gehört der Erwerb von Grundkenntnissen weiterer Sprachformen des Griechischen neben dem Attischen (je nach Lektüreauswahl des Ionischen, der ionisch-aiolischen Kunstsprache Homers, der Koine).
Die eigenständige Erschließung neuen Vokabulars mit Hilfe der Wortbildungslehre soll geübt werden.
Vermittelt werden soll die Fähigkeit zur Sprachreflexion und zum Sprachvergleich, insbesondere gegenüber der Muttersprache, zur semantischen Differenzierung und zur Erschließung von Schlüsselbegriffen, die Sicherheit im Umgang mit autoren- und gattungsspezifischer Terminologie und die Anwendung entsprechender Kenntnisse bei der Satz- und Texterschließung.
Die Schülerinnen und Schüler sollen mit den wichtigsten Metren griechischer Dichtung (daktylischer Hexameter, iambischer Trimeter, ggf. elegisches Distichon) vertraut und zum Lesen befähigt werden.
Allgemeine Lernziele
Im inhaltlichen Bereich soll die Kenntnis einiger literarischer Genera und ihrer bedeutendsten Repräsentanten durch Lektüre, Analyse und Interpretation von Originaltexten erworben und mit Hilfe von Übersetzungen und Sekundärliteratur erweitert werden.
Dabei sollen Einblick ins Alltagsleben und soziale Strukturen der griechischen Gesellschaft eröffnet und Kenntnisse ihrer Geschichte, Kunst und Kultur von den Anfängen bis zum Ausgang der Klassik, in groben Zügen bis zur Spätantike, vermittelt werden.
Die Kenntnis philosophischer Fragestellungen zu Grundproblemen menschlicher Existenz, zu Normen des Zusammenlebens, zu zeitgebundenen und zeitlosen Wertkonflikten und Antinomien soll die Bereitschaft wecken, antike und moderne Antworten und Lösungskonzepte nachvollziehend zu reflektieren und sich kritisch mit ihnen auseinander zu setzen.
Schließlich sollen die Schülerinnen und Schüler exemplarisch Einblicke in die Rezeption griechischer Themen und Motive gewinnen.
Allgemeine Lernziele
Im methodischen Bereich sollen die Schülerinnen und Schüler mit mindestens einem, möglichst einigen Erschließungsverfahren (auf satz- oder textgrammatischer Basis) vertraut sein.
Sie sollen die Fähigkeit erwerben, zur sprachlichen, syntaktischen und stilistischen, ggf. auch metrischen Textanalyse zur textimmanenten, kontextualen und textübergreifenden Interpretation und Bewertung.
Sie sollen Paraphrasen und Übersetzung erstellen können, Modifikationen und Varianten reflektieren und einen Übersetzungsvergleich führen und auswerten können.
Bei der Lösung von Aufgabenstellungen und in der Präsentation von Ergebnissen sollen wissenschaftliche Arbeitstechniken (z.B. Formulierung eigener Fragestellungen, thematischer Schwerpunkte und Hypothesen; strukturierte Darstellung; korrektes Zitieren von Originaltext und Sekundärliteratur; Heranziehung von Hilfsmitteln; Bibliographieren; Ausarbeitung und Präsentation von Referaten) geübt werden.
Grundfach
Die Schülerinnen und Schüler sollen einen Einblick in die Welt des homerischen Epos als einer fiktiven Wirklichkeit, in die kretisch-mykenische Kultur und die Kultur der Zeit Homers erhalten und dabei erfahren, von welcher Bedeutung die Schriftlichkeit nicht nur für das Epos, sondern auch für unsere Kultur ist.
Zugleich sollen sie das Epos als literarische Gattung (Vorläufer des Romans), die Rolle des griechischen Mythos und seine Bedeutung für die Religion der Griechen sowie, im sprachlichen Bereich, das Verhältnis der griechischen Dialekte zur Kunstsprache des Epos kennen lernen.
Durch das Ausgreifen auf die sprachlichen Besonderheiten des Epos können sich die Schülerinnen und Schüler Fertigkeiten in der Anwendung des Wortschatzes und der Grammatik des homerischen Epos erwerben und im Verlauf der Lektüre eine Vorstellung von der Bedeutung des Kyklos für das Weltverständnis der Griechen erhalten.
So gewinnen sie Vertrautheit im angemessenen Umgang mit den wichtigeren sprachlichen Phänomenen des Epos und in der angemessenen Anwendung der Hilfsmittel, in die interpretatorischen Erschließung des Texts.
Weitergehend sollen sie zu einer inneren Einstellung zu den Handelnden des jeweiligen Epos gelangen, die von Zustimmung oder Ablehnung geprägt sein wird, kaum jedoch Gleichgültigkeit aufkommen lässt.
Über einen Zeitraum von fast 3000 Jahren hinweg verstehen die Schülerinnen und Schüler die Motivation eines Achill und leiden mit dem Dulder Odysseus.
Grundfach
Die Schülerinnen und Schüler sollen die Ursprünge der Tragödie, wichtige Aspekte des kulturgeschichtlichen Umfelds, das antike Theaterwesen mit seinen Gestaltungsmerkmalen, charakteristische Elemente von Sprache, Stil und Metrik kennen lernen.
Sie sollen erkennen, dass sich Poseidon und Athene trotz ihrer Feindschaft gegen die Hybris der Griechen zusammenschließen.
Exemplarisch kann gezeigt werden, dass der Krieg den Menschen in Not, Verzweiflung und Unsicherheit stürzt und dass in den Wirren eines Kriegs die Sinnfrage nur schwer eine Antwort findet.
Schließlich soll durch die Euripideslektüre sophistisches Gedankengut fassbar gemacht werden.
Grundfach
Die Schülerinnen und Schüler sollen die Weiterentwicklung von der homerischen, mythologischen Weltsicht zur vorsokratischen Naturphilosophie nachvollziehen können.
Dabei sollen sie die grundsätzliche Frage der Vorsokratiker nach der arche kennen lernen.
So soll den Schülerinnen und Schülern klar werden, dass Aspekte des vorsokratischen Denkens auch in unserem heutigen wissenschaftlichen Denken ihre Bedeutung haben.
Bei der Texterschließung muss den Schülerinnen und Schülern klar sein, dass die Überlieferungsgeschichte den Philologen vor erhebliche Probleme stellt, da es schwierig ist, von dem fragmentarischen Erhaltungszustand der Texte auf das Gesamtwerk und damit auf die Autorintention zu schließen.
Grundfach
Im ersten Teil dieser Unterrichtsreihe zur Person des Sokrates sollen die Schülerinnen und Schüler Einblick in die historischen Gegebenheiten des Sokrates-Prozesses erhalten.
Hierzu sind die Ursache für den Prozess, sein Ablauf und sein Ausgang zu erarbeiten; aus diesen Realien ist zugleich aber auch der Charakter des Sokrates, wie Platon ihn hier festlegt, herauszuarbeiten.
Im philosophischen Bereich ist die sokratische Technik der Dialektik und der Aporie am Beispiel seiner Reaktion auf das Chairephon-Orakel herauszuarbeiten.
Grundfach
Durch die Lektüre der WOLKEN sollen die Schülerinnen und Schüler einen ersten Einblick in die sprachlichen Besonderheiten poetischer Texte, speziell der alten attischen Komödie, erhalten.
Darüber hinaus sollen sie mit der Ausgangssituation dieser Komödie vertraut werden und verstehen, dass sich dahinter eine für das ausgehende 5. Jahrhundert charakteristische Problematik verbirgt.
So zeigen gerade die WOLKEN die Diskrepanz im Denken eines einfachen attischen Bauern und der neuen geistigen Avantgarde, der Sophisten (zu denen hier auch Sokrates gezählt wird, obwohl sein Denken bereits eine Reaktion auf die Sophistik darstellt).
Schließlich soll aus dem Vergleich zwischen der platonischen und aristophanischen Darstellung die Problematik des historischen Sokrates fassbar werden.
Grundfach
Im Bereich des historischen Ablaufs sollen die Schülerinnen und Schüler aus der Synthese der Darstellungen in den MEMORABILIEN und der APOLOGIE erkennen, dass mit Prozess, Verurteilung und Hinrichtung an Sokrates ein juristisches Verbrechen begangen wurde.
Bezüglich des Person des Sokrates soll die Verwandtschaft des platonischen und des xenophontischen Sokrates im Bereich des methodischen Vorgehens (Dialektik) geklärt werden; weitergehend ist dann aber auf die Unterschied hinzuweisen, wie sie im inhaltlichen Niveau festzustellen sind.
Die Synthese aus allen drei behandelten Texten kann schließlich die Beschreibung bei Xenophon als mögliche Mitte zwischen den Polen Platon und Aristophanes plausibel machen, wenn auch darauf hingewiesen werden sollte, dass diese Mitte nicht zwangsläufig eine sichere Lösung darstellt.
Hierzu könnte etwa ein Schülerinnen- und Schülerreferat zum Forschungsüberblick im o.g. Wege-der-Forschung-Band wesentliches beitragen.
Grundfach
Die Schülerinnen und Schüler sollen anhand der Dialoge ION und MENON sowohl die sokratische Technik der Dialektik als auch das Wesen der philosophischen Aporie kennen lernen und ihrer pädagogischen Bedeutung bewerten können.
Im inhaltlichen Bereich sollen durch den ION Einblicke in Platons Sicht gegenüber der Dichtung und ihrer Rezeption durch die Griechen gegeben werden.
Der Grund dafür, dass Platon der Dichtung nicht den Charakter einer objektiv belehrenden Instanz zugesteht, ist darin zu sehen, dass man nur in den Punkten über ein wirkliches Wissen verfügt, in denen man reflektierend die Grundlagen seines Wissens darlegen kann, und an eben dieser Reflexionsebene fehlt es bei der Dichtung.
Durch den MENON wird erkennbar, dass Platon vor allem in der Mathematik (in ihrer antiken Ausprägung) wirklich sicheres Wissen findet, so dass für ihn die Mathematik als ein Propädeutikum der Philosophie gilt.
Ein weiteres Lernziel für die Behandlung des MENON liegt darin, dass die Schülerinnen und Schüler den Begriff der Anamnesis so verstehen, wie er von Platon offenbar gemeint ist, also nicht als eine Wiedererinnerung an konkrete Fakten aus sich selbst heraus, sondern als Fähigkeit, auch bei einem unbekannten Sachgebiet zu erkennen, ob sachlich richtig oder falsch darüber geredet wird.
Grundfach
Die Schülerinnen und Schüler sollen die erkenntnistheoretischen Prämissen der Ideenlehre anhand des PHAIDON-Texts erfassen und sich mit dieser Prämissen auseinander setzen; weiterhin soll ihnen auf Grund dieser Kenntnisse klar werden, dass das Höhlengleichnis in einem weitreichenden philosophischen Argumentationszusammenhang steht und keine simple Parabel ist, die ohne Rückgriff auf erkenntnistheoretische Prämissen adäquat verstanden werden könnte.
Demgegenüber sind die inhaltlichen Zusammenhänge der POLITEIA nur ganz allgemein zu thematisieren.
Der Abschnitt aus dem SYMPOSION kann eine weitere Konkretisierung zum Liniengleichnis liefern und zugleich die platonische Abstufung vom Materiellen zum Geistigen konkret fassbar machen.
Grundfach
Die Schülerinnen und Schüler sollen einen Einblick in die Grundkonzeption des Gesamtwerks erhalten und erkennen, dass für Herodot auch der Mythos von historischer Relevanz ist.
Aus dem Verständnis des Kroisos-Logos als Folie für die gesamte weitere Darstellung sollen sie erkennen, dass Herodots Geschichtswerk keine beliebige Aufzählung historischer Begebenheiten bedeutet, sondern nach dem Hybris-Modell strukturiert ist.
Schließlich sollen sie erkennen, dass gerade die despotischen Strukturen asiatischer Königreiche die Ausbildung von Hybris fördern, während griechische sophrosyne und griechisches Unabhängigkeitsstreben ihr entgegenstehen.
Grundfach
Die Schülerinnen und Schüler sollen die fiktive Verteidigungsrede als sophistische Kunstprosa kennen lernen.
Dabei sollen sie einen Einblick in das sprachlich-stilistische Instrumentarium des Rhetors gewinnen und exemplarisch rhetorische Mittel, Stilfiguren und die für Gorgias typischen Klangfiguren, insbesondere das Wortspiel, herausarbeiten sowie ihre Wirkung diskutieren.
Sie sollen die nach den Regeln der antiken Rhetorik festgelegten Redeteile kennen und den Text entsprechend strukturieren.
Hinsichtlich Gorgias' LOB DER HELENA soll ihnen klar werden, dass es sich hier eigentlich um eine Verteidigungsrede handelt, die aber Elemente des Enkomions bzw. Hymnos enthält (§§ 3-4: Geburt, Herkunft, Schönheit).
Weiterhin ist das Prinzip der Beweisführung zu analysieren: Benennung aller denkbaren Gründe für Helenas Fahrt nach Troia (Schicksal, Gewalt, Überredung, Liebe) und Ausschluss einer subjektiven Schuldhaftigkeit in jedem dieser Fälle.
Auch soll die Stringenz der Argumentation überprüft und diskutiert und dabei deutlich werden, dass der exkursartige Schwerpunkt der argumentatio auf dem Fall der Überredung liegt und der Macht des logos (peithein ⇒ anankazein) gewidmet ist.
Die Schülerinnen und Schüler sollen erkennen, dass das agonale Moment für die griechische Rhetorik konstitutiv ist und dass sich insbesondere Übung und Vortrag der panegyrischen Rede (des genus demonstrativum) mit sportlichem Wettstreit vergleichen lässt.
Rhetorische Leistungen wurden in der Öffentlichkeit an vergleichbaren früheren Reden gemessen und mussten diese somit übertreffen.
Anhand der Isokrates-Rede soll die hier entfaltete Theorie der Rhetorik thematisiert und von den Schülerinnen und Schülern nachvollzogen werden, dass der Redner seinen Vortrag als Dienst an der Gemeinschaft versteht, den jeder bereitwillige Hörer genießen (apolauein) und als Orientierungshilfe für die Zukunft nutzen kann (ophelein).
Sie sollen herausarbeiten, dass dem Nutzen für das Allgemeinwohl als vorrangigem Ziel der Ruhm des Redners (doxa) als persönlicher Gewinn entspricht.
Sie sollen weiter herausarbeiten, dass Wert und Nutzen einer Rede von der Bedeutung und der aktuellen Relevanz des Themas abhängen, die dann nicht mehr gegeben ist, wenn der richtige kairos verpasst oder von einem Vorredner bereits alles Wesentliche in der besten Weise gesagt worden ist.
Grundfach
Die Schülerinnen und Schüler sollen einen Einblick in argumentative und psychagogische Strukturen und Techniken der antiken Rhetorik gewinnen.
Hinsichtlich des Aufbaus von Reden sind die konstitutiven Bestandteile der Gerichtsrede und das sprachlich-stilistische Instrumentarium des Redners zu erarbeiten.
Weiterhin sollen die wesentlichen Unterschiede zwischen dem attischen Gerichtswesen des 5. und 4. Jahrhunderts (Prozessformen, Bestimmung der Richter, Verfahrensfragen) und dem Gerichtswesen der Gegenwart deutlichen werden.
Schließlich ermöglichen die Reden des Lysias einen Einblick in das Alltagsleben im Athen der ausgehenden Klassik und seine sozialen, religiösen, ökonomischen und politischen Hintergründe.
Über die Ergänzungstexte sollen die Schülerinnen und Schüler exemplarisch die rhetorische Theorie und die übrigen Teilgattungen (Festrede, politische Rede) kennen lernen und dabei die Macht des Wortes erkennen und problematisieren.
Grundfach
Die Schülerinnen und Schüler sollen die lukianische Satire als Form der Traditions- und Gesellschaftskritik kennen lernen und einen Einblick in sprachliche und stilistische Techniken der Satire erhalten.
Darüber hinaus soll ein Bild von Lebensgewohnheiten und Denkmustern im griechischen Osten der Kaiserzeit als einer Epoche geistiger, vor allem auch religiöser Orientierungslosigkeit entstehen.
Die Lukianlektüre erlaubt es zudem, die Schülerinnen und Schüler zu den mythisch-religiösen Grundlagen und philosophischen Dogmen der klassischen und hellenistischen Antike hinzuführen und sich schließlich kritisch mit den Intentionen und Grenzen von Skepsis, Normenkritik und satirischer Verzerrung auseinander setzen.
Grundfach
Die Schülerinnen und Schüler sollen die typischen rhetorischen Elemente des Rahmens (Proömium/Epilog) herausarbeiten: Gelöbnis und Gebet (euche: 1-3; 108); Bescheidenheitstopos: Roms Größe übersteigt die Möglichkeiten angemessener rhetorischer Bewältigung in einem Enkomion, lässt die Rede zu einem Wagnis (tolmema: 3; 109) werden; selbstbewusste agonale Auseinandersetzung mit anderen Lobrednern (4), Rede als agonisma (108); captatio benevolentiae gegenüber dem Publikum durch Bitte um Hilfe (3) und Überlassen des Urteils (109).
Sie sollen für den gelesenen Teil die Inhalte des Enkomions zusammenstellen: Wohlstand, Schönheit und Freiheit der Städte; erzieherische Leistung und Philanthropie der Römer; universales Friedensreich; gewaltiger Fortschritt in der Entwicklung von Infrastruktur und Verkehr, Lebenskultur und Gesittung; Kaiserlob.
Sie sollen erkennen, dass die einseitig positive Darstellung ein Gebot der panegyrischen Rede ist, und diesen Ausführungen die deszendente Kulturentwicklungstheorie Hesiods und Ovids gegenüberstellen.
Schließlich sollen sie die Argumente von Fortschrittslob und Fortschrittskritik auch auf der Grundlage ihrer eigenen Erfahrungswelt diskutieren.
Grundfach
Die Schülerinnen und Schüler sollen erkennen, dass die Koine, die Verkehrssprache im östlichen Mittelmeerraum, in der auch das Neue Testament verfasst ist, der Sprache Platons nahesteht, und so das Griechische als Ursprungssprache des Christentums erfassen.
Neben dem theologischen Gehalt der Apostelgeschichte ist auch darauf zu verweisen, dass die Apostelgeschichte ihrer Form nach wesentliche Elemente hellenistischer Geschichtsschreibung aufweist, die die Darstellung der christlichen Heilslehre in gewisser Hinsicht literarisch überformt.
Hinzuweisen ist weiterhin darauf, dass der weite Lebensraum der griechisch-römischen Antike (imperium Romanum) eine umfassende Mobilität und den Austausch von Ideen fundamental erleichterte, wodurch die Ausbreitung des Christentums maßgeblich begünstigt wurde.
Leistungsfach
Die Schülerinnen und Schüler sollen einen Einblick in die Welt des homerischen Epos als einer fiktiven Wirklichkeit, einer nahezu unauflösbaren Mischung aus Elementen der kretisch-mykenischen Kultur, den sog. dark ages und Homers eigener Welt erhalten.
Ihnen soll bewusst werden, von wie weitreichender Bedeutung die Schriftlichkeit nicht nur für das Epos, sondern auch für unsere Kultur ist.
Sie können weiterhin das Epos als literarische Gattung kennenlernen, die dem Roman vorausgeht, sowie den Stellenwert des griechischen Mythos in seiner Bedeutung für Religion und Literatur der Griechen, aber auch für die gesamteuropäische Kultur.
Die in der homerischen Kunstsprache enthaltenen Dialekte sind zumindest in ihren grundsätzlichen Charakteristika zu erarbeiten.
Über Fertigkeiten in der Anwendung des Wortschatzes und der Grammatik des homerischen Epos sollen die Schülerinnen und Schüler Vertrautheit mit den wichtigeren sprachlichen Phänomenen des Epos gewinnen, darüber hinaus die zur Verfügung stehenden Hilfsmittel angemessen anwenden und für die interpretatorische Erschließung des Textes nutzbar machen können.
Sie sollen zudem eine Vorstellung von der Bedeutung des Kyklos für das Weltverständnis der Griechen entwickeln, vor allem eine innere Einstellung zu den Handelnden des jeweiligen Epos gewinnen, die von Zustimmung oder Ablehnung geprägt ist, aber wohl kaum von Gleichgültigkeit.
So können die Schülerinnen und Schüler über einen Zeitraum von Jahrtausenden hinweg die Motivation eines Achill verstehen oder Mitleid mit dem Dulder Odysseus entwickeln.
Leistungsfach
Die Schülerinnen und Schüler sollen anhand der Einführung Einblick in die äußeren Voraussetzungen der attischen Tragödie erhalten und einen Überblick über ihre Vorgeschichte erhalten.
Darüber hinaus sind ihre Bauformen sowie ihre Anlassgebundenheit, schließlich auch ihr politischer Charakter (die Adaptation des Mythos an die Gegebenheiten in Athen in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts) zu erarbeiten.
Anhand dieses ANTIGONE–Textes können sich die Schülerinnen und Schüler mit grundlegenden Fragen menschlicher Existenz auseinander setzen und die im Stück gegebenen Antworten reflektieren.
Dabei geht es in der ANTIGONE vor allem um die oft nur schwer überbrückbaren Gegensätze von Freund und Feind, Vernunft und Torheit, Recht und Unrecht, Frömmigkeit und Frefel, privaten und öffentlichen Interessen.
Leistungsfach
Die Schülerinnen und Schüler sollen den 'Ödipus' als das erste 'Kriminalstück' der Weltliteratur kennenlernen, bei dem der unwissentlich – aber nicht gänzlich schuldlos – zum Täter gewordene Ödipus als treibende Kraft den Mörder des Laios sucht, während die wissenden Zuschauer die von Ödipus geleitete Untersuchung und Spurensuche gespannt verfolgen und die tragische Ironie des auf der Bühne Gesagten spüren.
Gerade für unser Zeitalter scheint wichtig zu sein, dass Sophokles einerseits deutlich macht, welch große Wirkungskraft der menschliche Intellekt hat, andererseits aber auch auf seine Grenzen und der menschlichen Fähigkeiten hinweist.
Leistungsfach
Die Schülerinnen und Schüler sollen die Weiterentwicklung von der homerischen, mythologischen Weltsicht zur vorsokratischen Naturphilosophie nachvollziehen können.
Dabei sollen sie mit der grundsätzlichen Frage der Vorsokratiker nach der arche vertraut werden und die unterschiedlichen Antworten der einzelnen Vertreter kennenlernen.
So soll klar werden, dass Aspekte des vorsokratischen Denkens auch in unserem heutigen wissenschaftlichen Denken ihre Bedeutung haben.
Bei der Texterschließung muss deutlich werden, dass die Überlieferungsgeschichte den Philologen vor erhebliche Probleme stellt, da es schwierig ist, von dem fragmentarischen Erhaltungszustand der Texte auf das Gesamtwerk und damit auf die Autorintention zu schließen.
Die Schülerinnen und Schüler sollen erkennen, dass die Sophisten im Gegensatz zu den Naturphilosophen den Menschen als Individuum in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellen.
Da dieser Mensch, und zwar jeder Einzelne ganz individuell, zum Maßstab aller Dinge gemacht wird, gibt es eben keine absolute Wahrheit, sondern alles wird relativ.
Diese Relativität endet schließlich im Nihilismus.
Dadurch ist keine Begründung einer Ethik möglich.
Viel eher wird versucht, Normen aus der Natur zu erschließen, was aber sowohl zum Vorrecht des Stärkeren als auch zur Gleichheit aller Menschen führen kann.
Leistungsfach
Die Schülerinnen und Schüler sollen die grundlegenden Techniken sokratischen Philosophieren in den Formen des Zwiegesprächs (Dialektik), der hierin sich vollziehenden Widerlegung unreflektiert gebrauchter Begriffe (Elenxis) und der Aporie des Gegenübers kennenlernen.
Weiterhin soll ihnen klar werden, dass diese Technik nicht dazu dient, den Befragten auf Kosten des Fragenden lächerlich zu machen, sondern dass es in den Gesprächen um Wahrheitssuche vor allem für den Fragenden geht; dementsprechend kann diese Art der Philosophie nur existentiell, also das ganze Sein eines Menschen betreffend, betrieben werden.
An der Reaktion der einzelnen Gesprächspartner können die Probleme, aber auch die Möglichkeiten eines solch unbedingten Suchen gezeigt werden: Verärgertes Weggehen, erbitterte Gegnerschaft oder größte Verehrung.
Herauszuarbeiten ist vor allem die strikt auf das Gegenüber bezogene Art, sich philosophisch zu betätigen: Nicht alle Welt wird bei Sokrates hinsichtlich ihrer Denkprobleme belehrt, sondern jeder Einzelne nach seiner Meinung kritisch befragt.
Leistungsfach
Anhand dieser oder einer ähnlichen Textauswahl, die von ihrem Umfang her für eine statarische Behandlung angelegt ist, sollen die Schülerinnen und Schüler den Grundaufbau der platonischen POLITEIA und ihr Verhältnis zur Ideenlehre (die zuvor anhand des PHAIDON erarbeitet werden kann) kennenlernen.
Ihnen soll weiterhin auf Grund dieser Kenntnis klar werden, dass das Höhlengleichnis in einem weitreichenden Argumentationszusammenhang steht und dass bei einer Behandlung außerhalb des Zusammenhanges der POLITEIA die entscheidenden Dimensionen dieses Gleichnisses gar nicht erfasst werden können.
Weiterhin soll die Kenntnis des Originaltextes die Schülerinnen und Schüler zu einer reflektierten Auseinandersetzung mit Platons Idealstaat veranlassen.
Vor allem im Kontrast zur Kritik Karl Poppers kann hier gezeigt werden, dass dieser Staat kein geschlossenes, sondern, was die Entwicklungsmöglichkeiten des Individuums betrifft, ein absolut offenes System darstellt.
Dagegen ist der platonische Staat, was eine völlig individualistische Lebensführung und eine Orientierung an subjektiv gewählten Maximen und Werten angeht, nicht offen.
Dieses Modell fordert unmittelbar zur Kritik auf; es sollte dabei aber auch von den Schülerinnen und Schülern erkannt werden, dass die von Platon vorgesehenen Richtlinien aus erkenntnistheoretischen Überlegungen abgeleitet sind und keine willkürliche oder gar diktatorische Konstruktion Platons darstellt, sondern den Versuch, philosophische Prinzipien und Staatstheorie miteinander zu verbinden.
Als Teilthema im Bereich des Logos soll diese Platon-Lektüre vor allem die für das abendländische Denken entscheidende Wende von der Physik (Vorsokratiker) zur Metaphysik, zum Geistigen als des über und hinter der Natur stehenden Bereichs erkennbar werden lassen, zugleich aber auch die pädagogischen Modelle, die sich aus dem Wunsch ergeben, aus den Gegebenheiten des menschlichen Denkens und Handelns einen in idealer Weise gerechten Staat zu konstruieren.
Bei einer Gegenüberstellung dieses Modells mit gegenwärtigen, demokratisch-pluralistischen Staatsformen ergeben sich natürlich wesentliche Positiva für die Gegenwart, aber die Behandlung der POLITEIA sollte doch erkennbar werden lassen, dass der heutige staatspolitische Pragmatismus bestimmte erkenntnistheoretische Ansätze außer Acht lässt.
Offensichtlich kann mit der Konsequenz, wie sie Platon seinem Staatsmodell zugrunde legt, Philosophie nicht als Fundament eines Staates nutzbar gemacht werden; das bedeutet dann aber, dass Staaten auf juristische Normsysteme (wie etwa ein Grundgesetz) keinesfalls verzichten können.
Angesichts der Komplexität der platonischen Seelenlehre ist eine detaillierte Erarbeitung nur bedingt möglich; allerdings sollte den Schülerinnen und Schüler zum einen die Dreiteilung der menschlichen Seele bekannt sein, und zwar in der Form, dass diese Teile nicht mit Verstand, Wille und Gefühl gleichgesetzt werden dürfen, sondern mit dem logistikon die Instanz gemeint ist, die auf ihrer primären Orientierung am objektiven Denkoperationen für den Gesamtbereich des Handelns zuständig ist, das thymoeides eine – uns heute nicht mehr geläufige – Instanz des Zorns und des Mutes als Resultat einer Art von Selbstwertgefühl, und die epithymiai als Instanz triebhaften Wollens.
Die Lernziele im Bereich des Sprachlichen sind, abgesehen von einer allgemeinen Sicherung der Sprachkompetenz, im Wesentlichen auf Terminologisches beschränkt.
Die Lektüre eröffnet einen direkten Zugang zur Platonischen Begrifflichkeit, die in vieler Hinsicht nicht ins Deutsche umgesetzt werden kann; es sind so zentrale Termini wie politeia, hypothesis, eidos, idea oder thymoeides zu nennen.
Zudem lassen sich hier den Schülerinnen und Schülern erste Einblicke in die Problematik philosophischer Begrifflichkeit vermitteln, indem sie semasiologische Skizzen zu bestimmten Kernbegriffen entwerfen.
Leistungsfach
Die Schülerinnen und Schüler sollen einen Einblick in die Grundkonzeption des Gesamtwerks erhalten und erkennen, dass für Herodot auch der Mythos von historischer Relevanz ist.
Aus dem Verständnis des Kroisos-Logos als Folie für die gesamte weitere Darstellung sollen sie erkennen, dass Herodots Geschichtswerk keine beliebige Aufzählung historischer Begebenheiten bedeutet, sondern nach dem Hybris-Modell strukturiert ist.
Schließlich sollen sie erkennen, dass gerade die despotischen Strukturen asiatischer Königreiche die Ausbildung von Hybris fördern, während griechische sophrosyne und griechisches Unabhängigkeitsstreben ihr entgegenstehen.
Die Schülerinnen und Schüler sollen erkennen, dass Herodot an geeigneter Stelle der Persergeschichte eine Reflexion der Staatsformen einfügt, die typisch griechisches Verfassungsdenken aus der Erfahrungswelt der Polis widerspiegelt.
Leistungsfach
Die Schülerinnen und Schüler sollen erkennen, dass sich die antike Geschichtsschreibung über die Bedeutung ihres Gegenstands, gerade auch im agonalen Vergleich mit anderen, legitimiert.
Sie sollen die von Thukydides entwickelte kritische Methode kennenlernen, die die Quellen historischer Überlieferung einer prüfenden Betrachtung (skopein) unterzieht und sich einer transparenten Beweisführung (tekmeria, semeia, martyria, paradeigmata) mit den Mitteln nachvollziehbarer ratio (deloun) verpflichtet fühlt.
Sie sollen ferner erkennen, dass Thukydides eine komplexe Analyse von Ursachen, Anlässen und Folgen historischer Entwicklungen betreibt und mit der multikausalen und multiperspektivischen Betrachtungsweise bis heute gültige Prinzipien wissenschaftlicher Geschichtsschreibung konstituiert.
Dabei soll deutlich werden, dass Thukydides in bewusster Abgrenzung von literarischen Vorgängern (Herodot, Hellanikos) die Wahrheitssuche (zetesis tes aletheias) zur Maxime erhebt und die mit Blick auf die Publikumswirkung üblichen Manipulationen (dichterische Ausschmückung und Sensationsgeschichtsschreibung) rigoros ablehnt.
Die Schülerinnen und Schüler sollen wissen und diskutieren, dass Thukydides ohne Anspruch auf die Authentizität eines Zitats die frei nachempfundene wörtliche Rede einsetzt, um die Argumentation in historischen Entscheidungsprozessen zu veranschaulichen.
Schließlich sollen sie erkennen, dass Thukydides den Wert einer der Wahrheit verpflichteten, kritisch analysierenden Historiographie in der Befähigung sieht, aus der Geschichte zu lernen und in absehbar wiederkehrenden gleichartigen Situationen Konsequenzen für verantwortungsbewusstes politisches Handeln zu ziehen.
Leistungsfach
Die Schülerinnen und Schüler sollen Kenntnis von der Tradition der Grabrede in Athen bekommen und erkennen, dass das öffentliche Begräbnis der Gefallenen als Forum politischer Selbstdarstellung genutzt wurde.
Sie sollen die Grundzüge des athenischen Selbstverständnisses in perikleischer Zeit erarbeiten: Freiheit durch Bestleistungen vorangegangener Generationen (eleutheria di' areten); Autarkie (kai es polemon kai es eirenen autarkestate; II 36); Erfolg durch Lebensweise und Charakter (epitedeusis, tropoi), die ihren Niederschlag finden in der demokratischen Staatsverfassung (politeia).
Sie sollen weiter die Grundrechte und Grundwerte des attischen Demokratiemodells – in der Präsentation des Perikles – herausarbeiten: Gleichheit vor dem Gesetz und Chancengleichheit (pasi to ison); Freiheit (eleutheros politeuesthai) und Toleranz (anepachthos proshomilein); Offenheit gegenüber Fremden (Verzicht auf die in Sparta üblichen Ausweisungen); persönlicher Freiraum (aneimenos diaitasthai).
Die Schülerinnen und Schüler sollen den athenischen Anspruch auf politische, kulturelle und erzieherische Vorbildlichkeit erkennen (paradeigma; tes Hellados paideusis), die Darstellung des Perikles anhand der Geschichte des 5. Jh. v. Chr. kritisch überprüfen und mit Blick auf Athens Machtpolitik im Attisch-Delischen Seebund relativieren.
Sie sollen die Würdigung des Perikles durch Thukydides (II 65) und seine Entlarvung der athenischen Demokratie als faktische Einmannherrschaft diskutieren.
Die Pestschilderung des Thukydides sollen sie nicht nur als medizinische, sondern auch als psychologische Studie erkennen sowie die Veränderungen menschlichen Verhaltens und die Auflösung von Normen in Extremsituationen analysieren und diskutieren.
Schließlich sollen sie den Kontrast zwischen dem normgebenden Idealbild Athens im Epitaphios und dem mit der Katastrophe einhergehenden Werteverfall in der Pestschilderung herausarbeiten und die Kontrastierung als schriftstellerisches Kompositionsprinzip erkennen.
Leistungsfach
Die Schülerinnen und Schüler sollen wissen, dass Athen aus machtpolitischen und strategischen Gründen von einem neutralen Staat - Melos - Unterwerfung und Tribut fordert.
Sie sollen erkennen, dass die Athener unter Hinweis auf ihre Großmachtstellung nicht ihr Anliegen legitimieren, sondern ihre Bedingungen diktieren wollen.
Insbesondere sollen die Schülerinnen und Schüler die Antithese in der Bewertung der Gerechtigkeit herausarbeiten: Athen: Gleiches Recht nur bei Kräftegleichgewicht (dikaia apo tes ises anankes), d.h. Recht des Stärkeren statt Gerechtigkeit; Melos: Gleiches Recht durch allgemeingültige ethische Normen (ta eikota dikaia), d.h. Gerechtigkeit als Konvention zum Wohle aller (to koinon agathon).
Die Schülerinnen und Schüler sollen sich nun mit beiden Rechtspositionen unter den Aspekten der Berechtigung, der Realitätsnähe, der zeitgebundenen und zeitlosen Gültigkeit kritisch auseinander setzen und die jeweiligen Folgen erwägen.
Sie sollen Situation, Argumentation und Bewertung vergleichen mit Konflikten der jüngeren Geschichte und des Zeitgeschehens und daran Thukydides' These von der prinzipiellen Wiederkehr gleichartiger Grundsituationen (vgl. Variante 1) diskutieren.
Dabei sollen sie erkennen, dass die Athener als Motiv ihres Handelns einen unverhüllt eigennützigen Imperialismus vortragen (ophelia tes hemeteres arches, to pleonon archein).
Andererseits sollen die Schülerinnen und Schüler herausarbeiten und Stellung dazu nehmen, dass die Melier die Entscheidungssituation vornehmlich unter ideellen Aspekten betrachten (Verteidigung der Freiheit = Gebot der Ehre: eleutheria, andragathia vs. douleia, aischyne), während sie die Athener rein pragmatisch als Frage des Überlebens (soteria) bewerten wollen.
Die Schülerinnen und Schüler sollen den von Thukydides frei gestalteten Dialog als stilistisches Mittel mit Blick auf Wirkung und Eignung in einem Geschichtswerk diskutieren.
Sie sollen erkennen, dass Thukydides selbst sich jeder Bewertung der Standpunkte enthält, aber dem Leser alle Möglichkeiten der eigenen Urteilsbildung vermittelt und diese geradezu herausfordert.
Leistungsfach
Die Schülerinnen und Schüler sollen die fiktive Verteidigungsrede als sophistische Kunstprosa kennenlernen.
Dabei sollen sie einen Einblick in das sprachlich-stilistische Instrumentarium des Rhetors gewinnen und exemplarisch rhetorische Mittel, Stilfiguren und die für Gorgias typischen Klangfiguren, insbesondere das Wortspiel, herausarbeiten sowie ihre Wirkung diskutieren.
Sie sollen die nach den Regeln der antiken Rhetorik festgelegten Redeteile kennen und den Text entsprechend strukturieren.
Hinsichtlich Gorgias' LOB DER HELENA soll ihnen klar werden, dass es sich hier eigentlich um eine Verteidigungsrede handelt, die aber Elemente des Enkomions bzw. Hymnos enthält (§§ 3-4: Geburt, Herkunft, Schönheit).
Weiterhin ist das Prinzip der Beweisführung zu analysieren: Benennung aller denkbaren Gründe für Helenas Fahrt nach Troia (Schicksal, Gewalt, Überredung, Liebe) und Ausschluss einer subjektiven Schuldhaftigkeit in jedem dieser Fälle.
Auch soll die Stringenz der Argumentation überprüft und diskutiert und dabei deutlich werden, dass der exkursartige Schwerpunkt der argumentatio auf dem Fall der Überredung liegt und der Macht des logos (peithein ⇒ anankazein) gewidmet ist.
Die Schülerinnen und Schüler sollen erkennen, dass das agonale Moment für die griechische Rhetorik konstitutiv ist und dass sich insbesondere Übung und Vortrag der panegyrischen Rede (des genus demonstrativum) mit sportlichem Wettstreit vergleichen lässt.
Rhetorische Leistungen wurden in der Öffentlichkeit an vergleichbaren früheren Reden gemessen und mussten diese somit übertreffen.
Anhand des Panegyrikos-Proöms soll die hier entfaltete Theorie der Rhetorik thematisiert und von den Schülerinnen und Schülern nachvollzogen werden, dass der Redner seinen Vortrag als Dienst an der Gemeinschaft versteht, den jeder bereitwillige Hörer genießen (apolauein) und als Orientierungshilfe für die Zukunft nutzen kann (ophelein).
Sie sollen herausarbeiten, dass dem Nutzen für das Allgemeinwohl als vorrangigem Ziel der Ruhm des Redners (doxa) als persönlicher Gewinn entspricht.
Sie sollen weiter herausarbeiten, dass Wert und Nutzen einer Rede von der Bedeutung und der aktuellen Relevanz des Themas abhängen, die dann nicht mehr gegeben ist, wenn der richtige kairos verpasst oder von einem Vorredner bereits alles Wesentliche in der besten Weise gesagt worden ist.
Das agonale Moment griechischer Rhetorik sollen die Schülerinnen und Schüler durch die Lektüre von Isokrates' HELENA-Rede an einem konkreten Beispiel kennenlernen, prüfen und bewerten.
Der aus der Kritik an Gorgias entwickelte programmatische Anspruch, dessen apologetisches Helena-Lob durch ein wirkliches Enkomion zu überbieten, soll eingangs herausgearbeitet werden (§§14-15).
Im Folgenden soll die Funktion der beiden großen mythologischen Komplexe (Theseus-Mythos, §§ 18-38, Troianischer Krieg §§ 39-53) für die Beweisführung analysiert werden: Helenas Schönheit bewirkt, dass die Bewunderungswürdigsten aller Menschen (ton allon thaumastoteroi) ihre Bewunderer (thaumasantes) sind (§ 22), dass ihre Schönheit die arete und sophrosyne eines Theseus bezwingt (§ 38).
Ihr kallos und ihre eugeneia lassen sie für Paris, dessen Urteilskompetenz durch seine göttliche Berufung außer Frage steht, zur höchsten time werden (§§ 41b-44), lassen Europa und Asien um sie Krieg fuhren (§§ 49-51).
Die Schönheit bezwingt Macht und Allmacht, sie unterwirft sich die Götter und macht Menschen unsterblich (§§ 59-60).
Leistungsfach
Die Schülerinnen und Schüler erhalten in der griechischen Lyrik einen Blick auf das alltägliche Leben, der freilich durch die künstlerische Gestaltung vielfältig gebrochen ist.
Sie erfahren, dass die Adelsethik, wie sie etwa bei Homer in ihrer reinsten Form dargestellt ist, in den Augen mancher Zeitgenossen nicht viel mehr als eine Fassade ist, hinter der sich Habsucht, Uneinsichtigkeit, Kleinmut und Überheblichkeit verbergen.
Die Schülerinnen und Schüler sollen erkennen, dass einerseits die kleinen Sorgen und Kümmernisse den Alltag beherrschen, ja, dass die Sorge um die elementaren Grundbedürfnisse des Lebens in einer für uns heute unvorstellbaren Weise das Leben des Menschen beherrschte, auf der anderen Seite aber der Mensch Trost und Zuversicht in seiner schöpferischen Betätigung finden kann.
Dichtung ist hier, vergleichbar der Philosophie, eine Form der Lebensbewältigung.
Weiterhin soll in der Behandlung der einzelnen Gedichte ein Gefühl für die künstlerische Form der poetischen Aussage entwickelt werden, auch für den Kontrast, der oft zwischen dem eher banalen Inhalt und der dichterischen Gestaltung besteht.
Leistungsfach
Die Schülerinnen und Schüler sollen die grundsätzlichen Charakteristika der alten attischen Komödien kennenlernen; diese sind im Einzelnen: Der thematisch heterogene Aufbau, in dem sich literarische Themen immer wieder mit Aussagen zur Zeitpolitik abwechseln, die Verankerung im Dionysoskult, der – vergleichbar unserem Karneval – eine derart kritische Sicht auf die politischen Vertreter der Polis überhaupt erst möglich macht.
Im Bereich des Sprachlichen sind die Schülerinnen und Schüler mit der Besonderheit dieser Gattung, nämlich lexikalisch intensive Anleihen einer Alltagssprache und gelegentlich auch die Verwendung von Begriffen aus dem Bereich des Vulgären, vertraut zu machen.
Hinsichtlich der Gattung soll das Phänomen 'Alte Komödie' in seiner untrennbaren Verbindung mit den demokratischen Verhältnissen in Athen bestimmt werden (die vor allem in den Parabasen zu greifen sind).
Hinsichtlich der im Unterricht zugrunde gelegten Komödie DIE FRÖSCHE sollen die Schülerinnen und Schüler über den Inhalt (den Unterweltsbesuch des Dionysos als Travestie auf heroische Unterweltsfahrten wie bei Herakles, Orpheus oder Odysseus) das Phantastische als ein wesentliches Element der Komödie auch in diesem Stück kennenlernen.
Weiterhin soll erkannt werden, dass trotz dieser Phantastik Aristophanes in seinen Anschauungen keineswegs ein moderner Geist ist, sondern letztlich die Ideale der vorperikleischen Zeit, speziell der Marathon- und Salamiskämpfer, vertritt.
Diese konservativ zu nennende Weltsicht drückt sich hier auch dadurch aus, dass Dionysos von seiner Leidenschaft zum Neuerer in der Tragödie, zu Euripides, 'geheilt' wird und sich dem fast noch archaisch wirkenden Aischylos zuwendet; hier sind die Gründe für Dionysos' Verhaltensänderung zu thematisieren.
Leistungsfach
Die Schülerinnen und Schüler sollen mit diesem Text einen griechischen Kirchenvater als bedeutenden Vertreter der europäischen Geistesgeschichte kennenlernen.
Sie sollen einen Einblick in das Geisteslebens der Spätantike gewinnen, in dem das antike Bildungsgut durch das Christentum weiterlebt, obwohl und weil die Christen die kritische Auseinandersetzung mit der Tradition gesucht hatten.
Weiterhin ermöglicht dieser Text die Erkenntnis, dass Fremdes oder scheinbar Feindliches in anderer Hinsicht auch Vorbild sein kann, so dass die Schülerinnen und Schüler hieran auch zwischen formaler und inhaltlicher Qualität unterscheiden lernen und sich auf dieser Basis ein neues Problem stellen können, dem Problem, wie man mit dieser Unterscheidung umgehen kann.
Schließlich lässt sich aus Basileios' Autorenauswahl Einsicht in die Tatsache gewinnen, dass jede Auswahl bestimmten Kriterien folgen muss – also auch Manipulation bedeutet.
Im Ganzen wird so die Fähigkeit der Schülerinnen und Schüler zur kritischen Auseinandersetzung mit Tradition jeglicher Art (nicht nur literarischer) gefördert.
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Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung Rheinland-Pfalz — Lehrplan Griechisch, gymnasiale Oberstufe (1998). Kompetenztexte aus der Quelle übernommen; die amtliche Originalfassung ist verbindlich.
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