Keine Kompetenz enthält diesen Suchbegriff.
3. 1 Bereich Sprache und Literatur
vertiefte Kenntnis wichtiger Begriffe des Staatsrechtes und des politischen und gesellschaftlichen Lebens der Römer (plebs, populus, magistratus, senatus, nobilitas,homo novus, potestas, dignitas, libertas, auctoritas, fides, concordia, aequitas, beneficia, ius, clementia, iustitia, pietas u. a.)
vertiefte Kenntnis wichtiger Begriffe menschlicher Charaktereigenschaften (mores, modestia, labor, integritas, pudor, mansuetudo, magnitudo animi u. a.)
Einsicht, dass Sallust gelegentlich denselben Terminus für einen politisch, gesellschaftlichen Begriff in unterschiedlichen Bedeutungen benutzt (z. B. plebs/populus)
Kenntnis wichtiger Stilmerkmale Sallusts (brevitas, inconcinnitas, Archaismen, nominaler Ausdruck, Antithese, Asyndeton, Zweigliedrigkeit)
Kenntnis des Aufbaus der Coniuratio Catilinae
Kenntnis verschiedener Darstellungsmittel in der historischen Monographie (Ereignisbericht, Überblick, Detailschilderung, Rede, Brief, direkte und indirekte Personencharakterisierung)
Einsicht in die Funktion der Exkurse und der Reden in Sallusts „Coniuratio Catilinae“ und in die vielfältigen Beziehungen, die zwischen Exkursen, Reden und Ereignisbericht bestehen
Kenntnis wichtiger literarisch-künstlerischer Merkmale der antiken Historiographie: künstlerische Gestaltung statt genauer und vollständiger Darstellung der Fakten; fiktive Reden; Dramatisierung durch Eingriff in die Chronologie; Reduktionsverfahren
Fähigkeit, hinter der stilistischen und kompositorischen Gestaltung die Intention des Autors zu erfassen
3. 1 Lernzielbereich Sprache und Literatur
Wissen, dass Literatur von äußeren und inneren Lebensumständen beeinflusst wird
Erkenntnis, dass Literatur zweckgebunden sein kann
Erkennen der Wirkung der Exilsituation auf Denken u. Sprache (Metaphorik, Modus u. a.)
Erkennen pathetische Elemente der Exildichtung erkannt haben
Einblick in die Biographie des römischen Dichters Ovid
Kennntis der Form und Merkmale der Elegie
Kenntnis der Exildichtung Ovids als elegische Epistel
Wissen, dass Ovid für seine Exildichtung die Briefform als sermo absentis wählt
Wissen, dass der Brief einen einseitigen Dialog darstellt und Ersatz für ein Gespräch ist
Erkenntnis, dass der Brief als Ausdrucksform des inneren Zustandes und zur Darstellung der äußeren Umstände besonders geeignet ist
Wissen, dass Ovid in seinen Gedichten allgemeine Grunderfahrungen des Exils künstlerisch fixieren will
Erkenntnis, dass die Exildichtung Ovids nicht eine realistische Bestandsaufnahme ist, sondern den Versuch darstellt, sein eigenes Leben in Stilisierung, Typisierung und sogar manieristischer Übersteigerung künstlerisch zu gestalten
Erkenntnis, dass Ovid seiner Exildichtung die Bedeutung der Aussage eines zuverlässigen Zeugen zumisst und damit einen literaturgeschichtlich neuen Weg beschreitet
Wissen, dass durch Ovid die wesentlichen Elemente späterer Exilliteratur vorweggenommen sind
Erkenntnis, dass die Einbettung des eigenen Lebens und Schicksals in den Mythos bzw. der Vergleich mit bedeutenden Vorgängern ein wichtiges Element künstlerischer Distanzierung und Objektivierung ist
Kenntnis der Topoi, die für die Exildichtung Ovid typisch sind
Erkenntnis der stilisierung in der Darstellung des Abschieds von Rom und in der Schilderung des Skythenlandes
Erkenntnis der Topoi der Landschaftsdarstellung durch den Vergleich mit anderen poetischen Zeugnissen des gleichen Gegenstandes (Vergil, Lukrez und Ovid selbst)
Erkenntnis des negativen Gegenbildes einer Ideallandschaft in der Stilisierung des Skythenlandes, in deren Perversion für einen kultivierten, urbanen Menschen keine Lebensgrundlage zu finden ist
Wissen, dass Ovid in der Schilderung des Skythenlandes durch Stilisierung die reale Landschaft in eine Seelenlandschaft (speculum vitae) umformt
Kenntnis der Auffassung Ovids Auffassung von der Kunst als Ursache und als Medizin seiner Leiden
Wissen, dass Ovid z. B. die Monotonie seiner Dichtung und ihre Mediokrität in seiner Selbstanklage bewusst als stilistischen Ausdruck seiner existentiellen Not zu erkennen gibt
„issen, dass die Erfahrungen der Exilliteratur unserer Zeit zu einer neuen Wertung der Exildichtung Ovids geführt haben
Kenntnis der Aeneis als das wichtigste römische Epos, das in aemulatio (Konkurrenz) zu homerischen Epen tritt
Kenntnis der lateinischen Epos-Metrik (Hexameter)
Fähigkeit, Hexameter korrekt zu lesen und metrisch zu analysieren
Kenntnis von Merkmalen der epischen Sprache und der epischen Komposition bei Vergil
Erweiterung und Vertiefung von Kenntnissen der antiken Mythologie
Kenntnis der für die abendländische Literatur kennzeichnenden Kontinuität von Motiven (z. B. Irrfahrt, Fahrt in die Unterwelt) und Gestalten (Aeneas, Dido, Laokoon)
Fähigkeit, die Parallele wahrzunehmen zwischen Vergils Auffassung von Augustus, in dessen Herrschaft alle antike historische Zielsetzung ihre Erfüllung findet, und seinem eigenen Epos, in das er die Leistung aller epischen Vorlagen einzubeziehen sucht und mit dem er seine Vorgänger überbieten will
3.2.1 Bereich Sprache und Literatur
Erweiterung der lat. Sprachkompetenz durch die Lektüre der Komödie
Kenntnis der Merkmale archaischen Lateins (z.B. o statt e/u : advorsus; servos – qu statt cu: quom, quor; istuc statt istud; siet statt sit; faxo statt fecero; faxim statt fecerim; inruit statt irruit)
Kenntnis des Wesens und der Merkmale der Umgangssprache (z.B. Parataxe, Kurzsätze, Fragen; Interjektionen, Ellipsen, Pronominalhäufung, Sentenzen, Götteranrufung, Beteuerungen, Deminutiva, Schimpfwörter)
Fähigkeit, die Sprache einer Person als Mittel ihrer Charakterisierung zu interpretieren (z.B. verwendet der „Bauer“ Demea mehr Interjektionen als der „Städter“ Micio)
Fähigkeit, die Beobachtungen zur Umgangssprache bei der Übersetzung auch auf die Muttersprache zu übertragen
Kenntnis des Wesens und der Funktion von Stilfiguren (z.B. Anapher, Alliteration, Aposiopese, Asyndeton, Chiasmus, figura etymologica, Geminatio, Homoioteleuton, Hyperbaton, Oxymoron, Parallelismus, Paronomasie, Pleonasmus, Polyptoton, Polysyndeton)
Fähigkeit, verschiedene Stilfiguren zu erkennen und im Kontext funktional zu deuten
Fähigkeit, die Anwendung bestimmter Stilfiguren zur Charakterisierung einer Person als Ausdruck ihrer momentanen Gemütsverfassung zu deuten
Kenntnis der Etymologie und des Inhaltes der griech. Begriffe „Drama“, Tragödie“, Komödie“ und ihrer Herleitung aus dem Götterkult
Kenntnis wesentlicher Merkmale der griechischen Tragödie und Komödie (Schauspielerzahl, Einheit von Zeit und Ort, Aufführungspraxis, Chor, Masken; Stoffe, Thematik, Aeschylos, Sophokles, Euripides, Aristophanes, Menander)
Kenntnis der Unterscheidung von Alter, Mittlerer und Neuer Komödie
Wissen, dass die Alte Komödie bei Aristophanes etwa den Charakter des heutigen politischen Kabaretts hatte, während die Neue Komödie des Menander dem modernen bürgerlichen Lustspiel (Operette, Musical) entsprach
Kenntnis der dreifachen Wurzeln der römischen Komödie: italische Volksposse (fabula Atellana) – Etrusker (etruskische Begriffe wie „persona “ (Rolle) , „histrio“ (Schauspieler) – Griechenland (Komödienaufführungen in Magna Graecia)
Wissen, dass in Rom die Komödie weitgehend ihren sakralen Charakter verloren und mehr der staatlichen Repräsentanz an Feiertagen gedient hat (ludi Romani, Megalenses, Plebei; Triumphund Leichenspiele)
Kenntnis der Merkmale röm. Komödie (Singspiel, keine Masken, kein Chor, griech. Vorlagen)
Kenntnis typischer Rollen (senex stultus, adulescens amans, servus callidus, meretrix, parasitus, leno)
Kenntnis der beiden Spielarten röm. Komödie (fabula palliata und togata) und ihrer Merkmale
Fähigkeit, den Terminus „fabula palliata“ als Ausdruck der literarischen Abhängigkeit der röm. Komödie von der attischen Komödie zu deuten; den Terminus „fabula togata“ als Ausdruck nationalrömischer Emanzipation von literarischer Abhängigkeit zu verstehen
Kenntnis der Dichter Plautus und Terenz
Kenntnis der sechs Komödien des Terenz
Wissen, dass die „Adelphoe“ zu den Leichenspielen für Aemilius Paullus 160 v. Chr. aufgeführt wurden
Wissen, dass sich Terenz bis ins 18. Jhdt einer großen Beliebtheit erfreut hat (Caesar, Cicero, Horaz, Augustinus, Hrosvitha v. Gandersheim, Petrarca, Hans Sachs, Molière, Lessing, Goethe)
Kenntnis der Gesetze dramatischer Ökonomie (Ankündigung von Auftritt und Abgang; nie mehr als drei Sprecher auf der Bühne)
Kenntnis des Wesens und der Eigenart des „komischen Augenblicks“ (Schimpfszenen, Schlägerei, paradoxe Situationen, heulende Gestalten, Übertölpelung des Herrn; Spannung des Zuschauers in der Erwartung, wie die Person auf der Bühne, vor der er immer einen Informationsvorsprung besitzt, in einer bestimmten Situation reagiert; Schadenfreude bei falscher Redaktion)
Wissen, dass das Jahr 240 v. Chr. das Epochenjahr der römischen Literatur und Livius Andronicus deren Begründer ist
Wissen, dass die ersten Dichter und Schriftsteller Roms im Zuge römischer Expansionspolitik (als Sklaven) nach Rom gekommen sind (Plautus aus Umbrien, Andronicus aus Tarent, Ennius aus Kalabrien, Terenz aus Karthago, Polybios aus Megalopolis)
Erkenntis, dass der schrittweisen Expansion römischer Macht in den griechischen Kulturraum die schrittweise Hellenisierung römischer Kulturund Zivilisation entspricht.
Wissen um den Zusammenhang zwischen der Hellenisierung Roms und dem Scipionenkreis (Scipio Africanus, Laelius, Ennius, Terenz, Polybios, Panaitios) sowie der Persönlichkeit des Aemilius Paullus.
Wissen, dass ein Sohn des Philhellenen Aemilius Paullus die Tochter des Griechengegners Cato Censorius geheiratet hat
Wissen, dass Terenz römische und griechische Welt vermischt, wenn er 1. „Griechen“ römische Lokalitäten und Kultstätten aufsuchen, römische Götter anrufen, sich an römischen Gesetzen und Gerichtspraktiken orientieren lässt, 2. das Verhältnis zwischen Sklave und Herr pervertiert und wirklichkeitsfremd darstellt
Erkenntnis, dass sich in dieser Vermischung von Griechischem und Römischem einerseits der Entwicklungsstand der römischen Literatur dokumentiert, andererseits das römische Publikum so die Möglichkeit hat, in den griechischen Gestalten unliebsame Lebenserscheinungen, die insgeheim doch bejaht werden, zu verspotten
Wissen, dass der Bruch nach der dritten Szene des 5. Aktes verschieden begründet werden kann: 1. literatursoziologisch mit der Rücksichtnahme des Dichters auf bestehende Wertvorstellungen der Gesellschaft, der in der Gestalt des Micio die humanitas des Paullus darstellen wollte, sowie auf den noch lebenden Cato d. Ä., der von Demea verkörpert wird 2. mit der literarischen Intention des Dichters, um jeden Preis (auch auf Kosten der dramatischen Ökonomie) ein burleskes Finale zu schaffen
3.1 Bereich Sprache und Literatur
Wissen, dass römische Literatur von griechischer Literatur abhängig ist
Erweiterung der Kenntnisse in der lat. Literatur durch die Lektüre eines bedeutenden römischen Lyrikers
Wissen, dass Catull der erste (uns erhaltene) bedeutende Lyriker Roms ist
Wissen, dass Catull zum Kreis der Neoteriker gehört und deren wichtigster Vertreter ist
Kenntnis weiterer Neoteriker: Valerius Cato als Begründer des Kreises; Licinius Calvus, Helvius Cinna, Caecilius
Wissen, dass die Neoteriker mit ihrer programmatischen Forderung nach den „kleinen“ Formen in Opposition zum traditionellen altrömischen Epos der Annalisten und deren Epigonen (Ennius, Volusius) stehen
Kenntnis wesentlicher Charakteristika neoterischer Dichtung:
Wissen um Catulls inhaltlicher (c. 51 = Sappho frg 31) und formaler (Invektive: Archilochos, Hipponax) Abhängigkeit von der griechischen Dichtung
Wissen, dass sprachlich und inhaltlich in den Invektiven die volkstümliche Form der Schimpfund Spottverse (Fesceninnen) und die Sprache der Komödie weiterleben
Wissen, dass innerhalb des Prozesses der Begegnung zweier Kulturen mit Catull nach den Phasen der interpretatio (Übersetzung : Livius Andronicus) und imitatio (Nachahmung: Terenz) die letzte Phase der aemulatio (Konkurrenz) mit der griechischen Literatur und damit der Betonung der Gleichwertigkeit römischer Literatur beginnt.
Erkenntnis, dass sich in Catulls Veröffentlichung der „Kleinigkeiten“ (nugae) dessen literarisches Selbstbewusstsein manifestiert
Kenntnis wesentlicher Sprachmerkmale Catulls: Archaismen, Vorliebe für Deminutiva, Spiel mit der Sprache
Kenntnis der grundlegenden prosodischen Regeln in der quantitierenden Metrik
Fähigkeit, die Gedichte metrisch zu analysieren und korrekt zu rezitieren
Kenntnis folgender Metren: Hexameter; Pentameter, Hendekasyllabus, iambischer Trimeter, Hinkiambus. (In der zentralen Abiturprüfung wird nur die Kenntnis des Hexameters und Pentameters vorausgesetzt!)
Kenntnis der Merkmale des Epigramms (Kürze, Antithese, Paradoxie, Ironie, Pointe)
Kenntnis wichtiger Stilimittel und ihrer Funktion im jeweiligen Kontext
Kenntnis literarischer Topoi (Widmung, Gebet, Verfluchung, Tierepikedion)
Erkenntnis, dass Catulls Gedichte eine erlebte Situation zum Anlass haben, die nicht als spontan emotionale, sondern als intellektuell kontrollierte und künstlerisch stilisierte Äußerung mitgeteilt wird
Erkenntis, dass der Dualismus „Erleben – Kunst“ ein Problem literarischer Deutung ist
Erkenntnis, dass die Aussagen eines antiken Lyrikers an Gegenüber, das auch das lyrische Ich sein kann, gerichtet sind
Kenntnis der Bedeutungsmerkmale der Begriffe, mit denen Catull seine Beziehung zu Clodia beschreibt (amicitia, foedus, fides, beneficium, benevolentia, gratia, officium, pietas)
Wissen, dass diese Verbindlichkeitsvorstellungen in Rom in verschiedenen Bereichen des privaten und öffentlichen Lebens Bedeutung haben
Fähigkeit, durch vergleichende Literaturbetrachtung Kenntnisse über die Rezeption antiker Dichtung zu erwerben
Kenntnis eines Beispiels parodierender Antikenrezeption (Graßhoff)
Kenntnis eines Beispiels dramatisch-musikalischer Antikenrezeption (Orff)
Bewusstwerden des Problems „Übersetzung“ durch den Vergleich verschiedener Übersetzungen eines Catullgedichtes (c. 85)
Kenntnis von Grundbegriffen der Philosophie
Kenntnis der Begriffe, die in der stoischen Philosophie ihre eigene Bedeutung erhalten
Erkenntnis, dass Begriffe des Alltagslebens im philosophischen Kontext eine neue Bedeutung erhalten können (z.B. Verinnerlichung der Begriffe gaudium, libertas, servitus)
Kenntnis von Denkweise, Stil und Sprache Senecas
Kenntnis typischer Merkmale des Diatribenstils (z.B. Analogie als Beweismethode, Auftreten eines interlocutors)
Wissen, dass Seneca in seinen Briefen auf die gleichmäßige systematische Entwicklung eines Gedankens verzichtet
Erkenntnis, dass Seneca neben stoischer Philosophie auch Gedankengut Epikurs, der Kyniker und Pythagoräer verarbeitet und dass er sich durch diesen Eklektizismus als Vertreter der jüngeren Stoa erweist.
Erkenntnis, dass Seneca mit der Technik der Wiederholung nicht nur etwas beweisen, sondern auch das Gesagte eingängig machen will.
Kenntnis wichtiger rhetorischer Mittel und Fähigkeit, diese in ihrer im jeweiligen Textzusammenhang intendierten Wirkung zu verstehen. – Die verbindlichen Anforderungen bei den Stilmitteln sind geregelt in den APA im Fach Latein – (Zusätzlich zu diesen Kenntnissen kommen in diesem Lehrplan „variierende Motivwiederholung“, „wachsende Kola“, „Bild“).
Erkenntnis, dass die parainetische Intention der Texte durch die Verwendung zahlreicher rhetorischer Stilmittel intensiviert wird.
Erkenntnis, dass die stilistische Pointe bei Seneca nicht Selbstzweck ist, sondern der pädagogischen Intention des Autors dient.
Begegnung mit einem Werk, das in beispielhafter Weise griechische Philosophie und literarische Formen für die römische Literatur rezipiert und so eine Mittlerrolle für die spätere europäische Literatur einnimmt.
Kenntnis der literarhistorischen Bedeutung einzelner Motive (Theatermotiv, Steuermann-, Arzt-, Sportlermetapher)
Einblick in die literarische Form der Epistel und in ihre besonderen didaktischen Möglichkeiten
vertieftes Verständnis römischer Wertbegriffe (z.B. fortitudo, virtus, mores, honos, dignitas, auctoritas, potestas, nobilitas, simplicitas, libertas)
Kenntnis sprachlich-syntaktischer Charakteristika des taciteischen Nominalstils: Zeugma, Inkonzinnität
Kenntnisse weiterer Stilmerkmale des taciteischen Stils, z.B. brevitas und Verwendung oft antithetisch gebauter Sentenzen allgemeingültigern Charakters und moralisierenden Deutungen
Einblick in Leben und Werk des römischen Schriftstellers Tacitus
Kenntnis verschiedener Topoi ethnographischer Beschreibungen
Kenntnis der aus der Antike stammenden Theorie, dass Klima, Landschaft und andere äußere Lebensbedingungen einen bestimmenden Einfluss auf die Bewohner eines Landes ausüben
Erkennen, dass Tacitus geringes Interesse an geographischen Details, aber großes Interesse an der Darstellung des sozialen Gefüges zeigt
Wissen, dass die Begriffe simplicitas und libertas Leitmotive der Germania sind
Fähigkeit, die Darstellung der Begegnung zwischen den Brüdern Arminius und Flavus als pointierte Form der Darstellung des Widerspruchs zwischen Pax Romana und Libertas zu verstehen
Fähigkeit, den dramatischen Aufbau und die Situationsmalerei in der Begegnung der beiden Brüder Arminius und Flavus zu erfassen
Wissen, dass Tacitus nicht das Kulturgefälle zwischen Römern und Germanen betont, sondern letztere in ihrer Eigenart und in ihrem Eigenwert weitesgehend gelten lässt
Wissen, dass die Historiographie der Römer an griechische Vorbilder anknüpft
Wissen, dass die direkte Rede in einem Geschichtswerk der Antike dazu dienen soll, den Leser bzw. Hörer durch den Anschein der Authentizität unmittelbar an die dargestellten Probleme heranzuführen
3. 2 Bereich Gesellschaft – Staat – Geschichte
Kenntnis der inneren und äußeren Entwicklung des römischen Staates (von den Anfängen der Republik bis zur Schlacht von Actium) im Überblick
Kenntnis wichtiger Daten, Fakten und Deutungen der politischen, sozialen und ökonomischen Entwicklung im Zeitalter der Krise der römischen Republik (133-31 v. Chr.)
Kenntnis der im Zusammenhang mit der Verschwörung des Catilina in Erscheinung tretenden Personen und Gruppierungen sowie ihrer Handlungen (Motive und Folgen)
Kenntnis des Verlaufs der catilinarischen Verschwörung im Überblick
Einblick in System und Funktionieren von Staat, Verfassung und Gesellschaft der römischen Republik (Grundkenntnisse des Staatsrechts und gesellschaftlicher Phänomene wie Ämter, Volksversammlung, Senat, Staat und Volk, Provinzen, Stände)
Kenntnis der Erklärung, die Sallust vom Aufstieg Roms zur Großmacht gibt
Kenntnis von Sallusts Analyse des Niedergangs der römischen Geschichte, der Entstehung und des Wirkens innenpolitischer Parteiungen, der politischen und soziologischen Verhältnisse der nachsullanischen Epoche
Einblick in moderne Erklärungen dieser Vorgänge
Kenntnis des Bildes, das Sallust von Catilina zeichnet (Herkunft, Anlagen, Motive und Triebkräfte, Bedingtheit und Folgen seines Handelns)
Kenntnis der historisch gesicherten Fakten über Catilina
Kenntnis der Aussagen Sallusts zur catilinarischen Anhängerschaft (Ursachen ihrer Entstehung, Zusammensetzung, Motive, Unterscheidung zwischen Akteuren, Mitläufern, Nutznießern, Drahtziehern)
Fähigkeit, Catilinas Handeln mit dem anderer Politiker zu vergleichen und ihn dadurch zu beurteilen
Kenntnis des Bildes, das Sallust (direkt oder indirekt) von Caesar und Cato zeichnet (Charakter, „Programm“, Motive)
Einsicht in die mit diesem Charakterporträt beabsichtigte historische Aussage
Einblick in die politische und juristische Problematik der von Caesar und Cato in ihren fingierten Reden vorgetragenen Positionen
Kenntnis des Geschichtsbilds Sallusts (resultierend aus den eigenen historischen Erfahrungen des Autors und seinen Grundanschauungen über Triebkräfte historischer Entwicklung)
Einsicht, dass Analyse und Beurteilung historischer Ereignisse vom Bewusstseinsstand des Betrachters geprägt sind und dass es daher zu divergierenden Deutungen derselben Sachverhalte kommen kann
Einsicht, dass Sallust die Krise des römischen Staates vom Standpunkt eines Betrachters analysiert, der in die Krise selbst eingebunden ist und sie als nicht abgeschlossen erfährt
Einsicht, dass der moderne Historiker diese Krise als ein abgeschlossenes Exemplum einer Übergangszeit im politisch-gesellschaftlichen Bereich aus der Distanz betrachten kann
Einsicht, dass die auf mores zielende Geschichtsschreibung durch Verabsolutierung eines Gesichtspunkts die Gefahr der Wirklichkeitsfälschung in sich birgt
Fähigkeit zu kritischer Beurteilung der Maßstäbe Sallusts
Fähigkeit zur Überprüfung von Informationen auf ihre Richtigkeit und Vollständigkeit
Einsicht in die Problematik des historischen Urteils ex eventu
Einsicht in die Wirkung der Gruppensolidarität im politisch-gesellschaftlichen Leben
vertiefte Einsicht in das Problem der gewaltsamen Systemveränderung
Einsicht in das Problem des Konflikts von Rechtsstaatlichkeit und politischer Opportunität
Einsicht, dass Grundwerte und soziale Verhaltensweisen einem Wandel unterliegen
Einsicht in den Zusammenhang zwischen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen einerseits und Motiven und Prinzipien der Menschen andererseits
Einsicht in die Gefahren der Beeinflussbarkeit mit Schlagworten und den parteiischen Gebrauch politischer Sprache, Propaganda und Meinungsmanipulation
Einsicht in das Spannungsverhältnis, das im politischen Handeln zwischen dem Verfolgen eines persönlichen Anliegens und dem Eintreten für allgemeine Interessen bestehen kann (dignitas-Streben)
Einsicht in die mögliche Diskrepanz von Verfassungsnorm und Verfassungswirklichkeit
Einsicht in die Bedeutung der Tradition für die politisch-soziale Orientierung
Einsicht, dass in der Epoche der Krise der römischen Republik gewaltige Prozesse politischen und ökonomischen Wandelns das bestehende Staatsund Gesellschaftssystem zwar disproportioniert, aber lange Zeit nicht verändert haben
3. 2 Lernzielbereich Gesellschaft – Staat – Geschichte
Wissen, dass Verbannung ein Völker und Zeiten übergreifendes Phänomen ist
Erkenntnis, dass Verbannung zu allen Zeiten ein Mittel der Machtzentren war, missliebige oder oppositionelle Personen oder Personengruppen zu eliminieren
Kenntnis unterschiedlicher juristischee Formen der Verbannung in der Antike (Relegation, Exil, usw.)
Einblick in soziale Verhältnisse der beginnenden Kaiserzeit in Rom
Erkenntnis der attraktiven Lebensfülle und kulturellen Dominanz des kaiserzeitlichen Rom, die sich im Schicksal Ovids spiegeln
Wissen, welche Machtfülle in der Tatsache erkennbar wird, dass die bloße Autorität des Princeps genügte, eine Relegation anzuordnen, ohne dass eine Appellation möglich war
vertiefte Einsicht in das kontinuierliche Bemühen der Römer, die eigene Existenz in der Rückbesinnung auf die Wurzeln und Vorbilder (maiores) besser zu verstehen
vertieftes Verständnis historischer Fakten in neuem Zusammenhang
Wissen, das Aeneas Vorstellungen und Verhaltenweisen (z. B. pietas) vertritt, denen in der Kulturgeschichte Roms hohe Bedeutung beigemessen wird
vertiefte Kenntnis von Begriffen der religiösen oder politischen Sphäre (z. B. officium, pietas, fides, fatum, pudor)
vertieftes Verständnis des Begriffs pietas als des Kernbegriffs in diesem Epos (Gehorsam gegen göttliche Befehle und Verheißungen, Ausharren im Gehorsam gegen Zweifel an ihrem Sinn, Achten auf prodigia)
Wissen, dass das nationale Sendungsbewusstsein Vergils von allen Gesellschaftsgruppen der römischen Öffentlichkeit mitgetragen wurde
Wissen, dass Vergil dem Selbstverständnis des römischen Volkes und der historischen Auseinandersetzung Roms mit Karthago eine mythische Verankerung bietet
Einsicht, dass diese mythische Dimension die Aussagekraft der verkündeten Ideologie steigert und sie gleichzeitig gegen Kritik absichert
Kenntnis des Verhältnisses zwischen dem Princeps und dem berühmtesten Dichter seiner Epoche
Wissen, dass Vergils Einstellung zu Augustus geprägt ist von Herkunft, Schicksal und Charakter des Dichters
Wissen, dass dem idealisierten Herrscher Augustus infolge der Einordnung in „große Geschichte“ und in kosmische Sinngebung, nicht nur erhöhtes Ansehen zuwächst, sondern auch strikte Bindung an die moralischen Normen abverlangt wird
Einsicht, dass Dido und Turnus Gestalten verkörpern, die Teilnahme und Hochachtung verdienen, die aber letztlich anders als Aeneas, an ihrem Fatum schuldig werden (Dido: Verletzung des pudor; Turnus: Tötung des Pallas, Kampf gegen das Werk des Aeneas)
Einsicht, dass in diesem Epos Mythos und Vision und römische, v. a. augusteische Geschichte miteinander verknüpft sind
Einsicht, dass Vergil in der Friedensordnung des Princeps die Vollendung des von Aeneas vollzogenen göttlichen Auftrages darstellt
Wissen, dass in der Sicht Vergils mit der Epoche des Augustus die vom Schicksal (fatum) bestimmte Entwicklung ihren Endstatus erreicht hat
3.2 Bereich Gesellschaft, Staat und Geschichte
Erkenntnis, dass Ciceros Charakteristik der Neoteriker als „poetae novi“ gleichzeitig Kritik des konservativen, an der Tradition orientierten Römers gegenüber jeglichen „res novae“ (vgl. auch den negativen Sinn von „homo novus“) ist
Bewusstsein, dass die neoterische Lyrik wegen ihrer Ichbezogenheit für einen Römer, der die „vita activa“ im Dienst der res publica (negotium) über die „vita otiosa“ stellt, nur schwerzugänglich ist
Kenntnis wichtiger Daten aus Catulls vita
Erkenntnis, dass Catull sich politischen Machtkämpfen gegenüber gleichgültig verhält
Erkenntnis, dass Catulls Angriffe gegen Politiker (Caesar, Mamurra) nicht politisch, sondern persönlich begründet sind
Wissen, dass Catull die Agonie der Republik (Bürgerkriege) und das Aufkommen der Alleinherrschaft (Caesar) erlebt
Wissen, dass hinter dem Namen „Lesbia“ Clodia Pulcher, die literarisch hochgebildete Gattin des Metellus, steht
Wissen, dass Catulls Vater zur Oberschicht in Verona gehört und freundschaftliche Beziehungen zu Metellus und Caesar unterhält
Wissen, dass der Kreis um Valerius Cato aus jungen literarisch interessierten Männern der Oberschicht besteht, die ihr Leben mehr dem Genuss und der Muße als der politischen Betätigung verschrieben haben
Wissen, dass für die Neoteriker der „Freundeskreis“ eine neue Form sozialer Bindung darstellt, die an die Stelle der traditionellen Bindungen eines in der Öffentlichkeit tätigen Mannes tritt
Wissen, dass in der ausgehenden Republik sich die Stellung der Frau verändert durch
Einsicht in die individuellen, sozialen und kulturellen Hintergründe, die Catull zur Übertragung politischer Begriffe auf seine Beziehung zu Claudia veranlasst haben:
Einblick in die politischen und sozialen Verhältnisse der römischen Kaiserzeit
Kenntnis der jahrhundertelangen Auseinandersetzung zwischen Römern und Germanen
Wissen, dass die römische Herrschaftsideologie auf zwei Säulen ruht: Schonung bei Unterwerfung und Vernichtung bei Widerstand
Wissen, dass die Furcht der Römer vor den Germanen überwiegend irrationale Gründe hat
Erkenntnis, dass Tacitus in dem Streben der Germanen nach virtus etwas dem altrömischen Tugendideal Verwandtes sieht
Fähigkeit, in der taciteischen Darstellung der einzelnen Phänomene die Bezugnahme auf verwandte oder gegensätzliche Erscheinungen im römischen Leben zu erkennen
Wissen, dass Tacitus den Kampf der Germanen als Bewährung ihrer virtus und eben darin die Ursache für die von den Germanen ausgehende Bedrohung sieht
Kenntnis einiger Wesenszüge des in der Antike konstituierten Barbarenbegriffs (z.B. impulsives Handeln, Maßlosigkeit und Unbeherrschtheit, irrationale Motivation statt rationaler Überlegung, Bevorzugung der Quantität vor der Qualität u.a.)
Wissen, dass Tacitus die simplicitas germanischer Institutionen im Gegenständlichen in negativer Wertung auch als Primitivität ansieht
Wissen, dass der Germane im Kampf nicht nur durch obsequium und disciplina, sondern auch durch religiöse Vorstellungen und Kräfte gebunden ist
Einsicht, dass die dignitas der Germanen stets von neuem im Dienst an der Gemeinschaft unter Beweis gestellt werden muss
Wissen, dass bei den Germanen infinita potestas unbekannt ist; nobilitas und virtus qualifizieren zur Führung: damit lässt Tacitus Merkmale altrömischer libertas anklingen
Erkenntnis, dass im germanischen Sozialgefüge die auctoritas über der potestas steht
Kenntnis des Phänomens der interpretatio Romana
Fähigkeit, die Gegenüberstellung des Römischen und des Germanischen in dem Wortstreit der Brüder Arminius und Flavus zu erfassen
Einsicht, dass pax Romana und libertas in einem unaufhebbaren Widerspruch zueinander stehen
Wissen, dass die Lebensform und Sprache der Germanen im Bannkreis überlegener römischer Zivilisation beeinflusst wurde
Wissen, dass die Römer auf Grund ihrer Machtfülle ihre Verpflichtung gegenüber dem moralisch gerechtfertigten Anspruch der Germanen verletzt haben (z.B. Boiocalus’ Rede) und damit fides zur Fassade ihres Herrschaftsanspruchs wird
Wissen, dass die Germanen Stolz auf ihre Treue (Friesengesandtschaft) und ihre ungebundene Lebensform (die Tenkterer von Köln) zeigen
Kenntnis der Germania als einer frühen historischen Quelle eines europäischen Volkes
Kenntnis des nationalen Kults um den Cheruskerfürsten Arminius (z.B.: Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald)
Kenntnis wichtiger innenund außenpolitischer Fakten der Entwicklung des imperium Romanum
Kenntnis wichtiger Institutionen und Werte der römischen Gesellschaft
Grundkenntnisse der politischen Struktur des imperium Romanum
Einsicht in grundlegende Elemente des imperialen Selbstverständnisses der Römer:
Einsicht in die Bemühung der Römer, ihre im Krieg gezeigte Härte und Rücksichtslosigkeit zu rechtfertigen
Einblick in die Romkritik der Unterworfenen im Spiegel römischer Autoren durch 1. Betonung des Verlustes der politischen Freiheit 2. Demaskierung der römischen Legitimierung der Machtausübung
Fähigkeit, die römische Expansion und das imperium Romanum kritisch zu beurteilen
Wissen, dass das Verfahren, Angriffe gegen politische und soziale Verhältnisse in den Mund einer fingierten Person zu legen und die Wirklichkeit an einem fiktiven Idealstaat zu messen, eine Form indirekter Zeitkritik ist
Wissen, dass in Buch 1 über die Zeitkritik hinaus konkrete Reformvorschläge und positive Theorieansätze (rationes) in Raphaels Ausführungen enthalten sind (Strafrecht, Privatbzw. Gemeineigentum, Aufgabe des Fürsten)
Einsicht, dass die Kritik sich primär gegen die sozialen Verhältnisse und Institutionen richtet und nicht gegen Moral und Gewissen
Einsicht, dass die Kritik auf der Überzeugung beruht, dass die Macht der Institutionen und sozialen Zusammenhänge die menschliche Moral erheblich determiniert
Kenntnis der Argumente, die die Dialogpartner Raphael und Morus in den kontrovers diskutierten Fragen über das Ratgeben und über den Privatbesitz vertreten
Kenntnis der politischen, sozialen und ökonomischen Einrichtungen und Praktiken in Utopia sowie der religiösen und ethnischen Vorstellungen seiner Bewohner (im Überblick)
Einsicht, dass die Gleichheit in Utopia den vernunftbegabten Menschen voraussetzt
Erkenntnis, dass Gemeineigentum in Utopia von Raphael als notwendige Konsequenz von Rechts-, Chancenund Besitzgleichheit verstanden wird
Einsicht, dass Utopia ein Wohlfahrts-, Gerechtigkeitsund Kulturstaat ist, der zwar seine Identität in anderer Umwelt nach außen behaupten muss, aber nicht als Machtstaat mit imperialistischem Sendungsbewusstsein auftritt
Einsicht, dass in der Schilderung Utopias ein breites Panorama einer Welt gezeichnet wird, in der alle Lebensbereiche einander gleichgeordnet sind und sich gegenseitig stabilisieren, jedoch wirtschaftliche und soziale Gesichtspunkte ins Zentrum gerückt werden
Einsicht, dass in der „Utopia“ Menschen nicht als Individuen, sondern als Funktionsträger und Glieder der Gesellschaft existieren
Einsicht, dass die Menschen in Utopia kein Privatleben führen, sondern dass alle Lebensbereiche für jeden nach dem Grundsatz der Zweckmäßigkeit geregelt sind und dass die Macht der gesellschaftlichen Kontrolle über den Einzelnen total ist
Einsicht, dass die vom heutigen Leser empfundenen Züge von Totalitarismus und straffer Staatsräson in dieser Gemeinschaft Ausfluss der vollkommenen Vernunft sind
Einsicht, dass der gesellschaftliche Machtdruck in Utopia nicht als Einschränkung der personalen Freiheit empfunden wird und dass für die Atmosphäre in diesem Staat Heiterkeit, Offenheit, Toleranz und Kulturteilhabe kennzeichnend sind
Fähigkeit, die in Utopia geltende Vorstellung von Toleranz (eng begrenzt auf das Innere, das Gedankenleben) gegen moderne Toleranzbegriffe abzugrenzen
Einsicht, dass Utopia kein christlicher Staat ist und seine Vollkommenheit weltimmanent ist
Wissen, dass in Utopia Religion und politische Autorität des Gemeinwesens eng verbunden sind
3.2 Bereich Gesellschaft, Staat, Geschichte
Einblick in verschiedene Bereiche des römischen Privatlebens (z.B. Schauspiel, Sport, Gastmahl, Stellung der Sklaven)
Begegnung mit Seneca als einem der wohlhabendsten Römer und einflussreichsten Politiker seiner Zeit
Kenntnis von soziologischen und politischen Machtverhältnissen in der röm. Kaiserzeit
Wissen, dass Seneca dem Machtmissbrauch geistigen Widerstand entgegensetzt
3.2 Bereich: Gesellschaft, Staat und Geschichte
Kenntnis der Biographie Ciceros sowie der wichtigsten Daten zu Werk und Epoche
Wissen, dass Cicero sein Werk De re publica in einer Phase erzwungener politischer Enthaltsamkeit verfasst hat
Kenntnis der ständischen Gliederung des römischen Staatswesens
Wissen, dass in Angehörige der Nobilität bereits aufgrund ihrer Herkunft und der Tradition ihrer Familie bestimmte politische Erwartungen gesetzt wurden
Wissen, dass ein Angehöriger der Nobilität im Allgemeinen stolz darauf war, sein politisches Handeln an den Traditionen seiner Familie auszurichten
Erkenntnis, dass die Auseinandersetzung mit Fragen der Politik und der politischen Theorie für die römische Gesellschaft zentrale Bedeutung hatte
Wissen, dass die Beschäftigung mit der Führung des Staates in der römischen Nobilität eine lange Tradition hat, die in ihrem Kern nicht literarisch geprägt ist, sondern auf praktischer Erfahrung beruht
Erkenntnis, dass mit diesem Selbstverständnis der Nobilität die Gefahr von Amtsmissbrauch verbunden ist
Erkenntnis, dass Cicero (in antiker Tradition) von naturgegebenen Unterschieden im Wert eines Menschen ausgeht (gradus dignitatis) und dass er ihre Berücksichtigung bei der Ausgestaltung der politischen Institutionen fordert
Erkenntnis, dass die philosophisch bestimmte Ablehnung unbeherrschter Affekte und extremer Positionen Cicero auch in Fragen der Staatstheorie geleitet hat
Erkenntnis, dass Cicero als eifriger Vertreter der Nobilität dazu neigt, den politischen Alltag und dessen oft populare Bestrebungen abzuwerten (sic noster populus in pace et domi imperat et ipsis magistratibus minatur)
Wissen, dass Cicero spontanen politischen Äußerungen des Volkes mit Misstrauen gegenübersteht (z.B. flamma, populi fauces)
Erkenntnis, dass Cicero die Gruppe der boni als naturgegeben annimmt und von diesen besonders in Extremsituationen politisches Handeln erwartet
Wissen, dass Cicero mit seiner Schrift De re publica helfen will, die politische Krise seiner Zeit zu bewältigen
Erkenntnis, dass Cicero in den vier Kardinaltugenden die beste Grundlage sieht, sich politisch zu betätigen
Erkenntnis, dass Cicero sich bemüht, die Staaten und die ihm geläufigen Herrschaftsformen in einem Modell zu erläutern und zugleich in einer Dynamisierung dieses Modells den beobachteten historischen Entwicklungen (Entartung, Kreislauf der Verfassungen) Rechnung zu tragen
Erkenntnis, dass Cicero ein funktionierendes Staatswesen als harmonisiertes System gegenläufiger Kräfte versteht und erklärt
3. 3 Bereich Grundfragen menschlicher Existenz
Kenntnis von Grundzügen des pessimistisch-illusionslosen Menschenbildes Sallusts
Einblick in den Begriff der fortuna in Sallusts Menschenbild
Einsicht in die Möglichkeiten und Gefahren des menschlichen Strebens
Einsicht in die Ambivalenz menschlicher Eigenschafen (z. B cupido gloriae – ambitio, Grundsatztreue – Starrsinn Catos, Großzügigkeit – fehlende Grundsatztreue Caesars)
Einsicht in Wechselwirkung von Individualcharakter und äußeren Verhältnissen (mores virorum – mores temporis)
Einblick in die Eigendynamik, die Rachsucht in Gang setzen kann
Einsicht in Phänomene wie Korruption und Machtmissbrauch
Einsicht in die existentielle Bedeutung von Freiheit und Lebensrecht für alle
3. 3 Lernzielbereich Grundfragen menschlicher Existenz
Einsicht, dass zwischen der Redepraxis Ciceros und der ethischen Fundierung seiner Theorie Widersprüche entstehen können
Einsicht in die Bedingtheit menschlicher Existenz
Erkenntnis, dass äußere Einflüsse, z. B. der Natur und der Landschaft, das Lebensgefühl entscheidend beeinflussen können
Verständnis der Exildichtung als Mittel und Frucht der Selbstbehauptung
Wissen, dass der Verbannte sein Schicksal durch mythische Selbstdeutung sublimiert
Erkenntnis, dass Dichtkunst ein Mittel der geistigen Überwindung von Barbarei sein kann
Einsicht in Wert und Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen
Erkenntnis der existentiellen Bedeutung, die menschliche und künstlerische Kontakte in der Isolierung gewinnen
Wissen, dass auch der Versuch, in einer fremden Sprache zu dichten, das Verlangen dokumentiert, die verdrängte Isolation durch Kommunikation zu durchbrechen
Verstsäsndnis der Verbannung Ovids als Wende in dessen Existenz und als künstlerischer Bruch mit der Vergangenheit
Einsicht in den Wert der Freundschaft und des kulturellen Lebens
Einsicht in weitere existentielle, soziale und moralische Aspekte der Isolation eines Verbannten (z. B. Trennung vom gewohnten Milieu – der urbane Mensch in barbarischer Umwelt; Trennung von Familie, Freunden und Publikum; Verlust freundschaftlicher Beziehungen aus Opportunitätsgründen)
Erkenntnis, dass die Verbannung in eine fremdsprachige Umgebung für den auf seine Sprache angewiesenen Künstler eine besondere existentielle Bedrohung darstellt
Erkenntnis, dass Ovid in fremdsprachiger Umgebung nicht nur seine poetische Kraft zu verlieren droht, sondern den Verlust von Sprache auch als Persönlichkeitsverlust empfindet
Erkenntnis des demonstrativen Charakters der Dichtung Ovids, die die dichterische Autonomie gegenüber den politischen Mächten betont
Erkenntnis im Vergleich mit Werken der modernen Exilliteratur, dass eine Typologie der Exilliteratur zwar denkbar ist, dass aber die Grunderfahrungen des Exils immer wieder neu und persönlich erlebt und eigenständig dargestellt werden müssen.
Verständnis für weltanschauliche Probleme (z. B. Schicksal, Treue, Leid, Lebensaufgabe, Liebe, Tod) und für das Verhalten eines Menschen, das seine Wertvorstellungen widerspiegelt
Verständnis für die Verantwortlichkeit des Menschen gegenüber einer anerkannten normativen Macht (Gewissen, Gottheit, sittliche Ordnung)
Kenntnis der Gestalt des Aeneas, der den Musterfall eines Menschen darstellt, der zur Einsicht in sein Schicksal heranreift und so fähig wird, historisch notwendig zu handeln Einsicht, dass Aeneaś Entscheidungen vor der Erfahrung in der Unterwelt mit Zweifel und erlittenem Leid behaftet sind
Fähigkeit, Aeneaś Einstellung zum fatum als eine exemplarische Form menschlicher Entscheidung zu erkennen und von anderen möglichen Entscheidungen (Auflehnung, Abwendung) abzugrenzen
Einblick in das anthropomorphe Götterbild der griechisch-römischen Antike
Fähigkeit, die vielfältigen, wandelbaren Verhaltensweisen der Götter den Menschen gegenüber zu erfassen und zu deuten
Einsicht, das in dem weitausholenden Geschehen des Epos eine Kraft wirksam ist, die auf die Erfüllung des fatums hindrängt
Wissen, dass mythische Einkleidung des Handlungsgeschehens Geschichte und politische Kräfte deutet
3.2.2 Bereiche Gesellschaft, Staat, Geschichte sowie Grundfragen menschlicher Existenz
Kenntnis des Phänomens der Hellenisierung Roms
Kenntnis der Person und Bedeutung des Cato Censorius
Kenntnis des Wesens der „humanitas“ als einer hellenistischen Lebenshaltung („philanthropia“)
Kenntnis der altrömischen Tugenden „duritia“, „parsimonia“ im Kontrast zur „liberalitas“
Kenntnis der Mesoteslehre des Aristoteles am Beispiel der Adelphen des Menander (extreme Verhaltensweisen des Demea; Micio in der Mitte zwischen diesen Extremen)
Erfahrung, dass es zur Zeit des Terenz zwei konträre Strömungen in Rom gibt: 1. Philhellenentum (Exponenten: Aemilianus Paullus, Scipionenfamilie) 2. Widerstand gegen das „Griechische“ (Exponent M. Porcius Cato)
Erkenntnis, dass Micios Erziehungsprinzipien von der griechischen Philosophie (Plato, Aristoteles) geprägt sind
Erkenntnis, dass in der Komödie das Griechenbild verzerrt ist und sich darin ein nationales Vorurteil bzw. die Abwehrhaltung gegenüber dem „Neuen“ manifestiert
3.3 Bereich Grundfragen der menschlichen Existenz
Einsicht in die Dimensionen und die Vielfalt der Empfindungen, die in einem Liebesverhältnis möglich sind (Glückseligkeit, Freude, Hoffnung, Zweifel, Qual, Trauer, Hass, Verachtung)
Einsicht in die polaren Spannungen im Liebesverhältnis Catull – Clodia: Traumwelt vs Wirklichkeit; Leidenschaft vs Sittlichkeit; Egozentrik vs Partnerschaft
Einsicht in die Anhängigkeit eines Liebenden von seiner Geliebten und in die Pathologie seiner Liebe
Einsicht in die Überlegenheit der Gefühle (affectus) gegenüber der Vernunft (ratio) in einem Liebesverhältnis
Erkenntnis, dass Dichtung der rationalen Bewältigung emotionaler Spannungen dienen kann
Einsicht in die existenzielle Bedeutung von Freundschaft
3.3 Bereich Grundfragen menschlicher Existenz
Wissen, dass Erbauung, Ermahnung und Erziehung popularphilosophische Ziele sind
Erkenntnis, dass praktische Philosophie im römischen Denken einen besonderen Stellenwert hat
Wissen, dass Welterkenntnis (Kontemplation) und aktive Weltveränderung (Praxis) unterschiedliche philosophische Grundhaltungen sein können
Wissen, welche Rolle moralische Begriffe wie gravitas und constantia im Selbstverständnis der Römer spielen
Erkenntnis, dass die epistulae morales kein philosophisches System anbieten, sondern sich mit wechselnden Themen und Problemen befassen
Kenntnis von Grundgedanken stoischer Philosophie
Wissen, dass secundum naturam vivere die alles umfassende stoische Lebensregel ist
Erkenntnis, dass Philosophie von Seneca als Kunst der Lebensführung und Lebensbewältigung verstanden wird (ars vivendi)
Wissen, dass Seneca die Pflege des animus nicht als intellektuelle, sondern als sittliche Vervollkommnung versteht
Wissen, dass für Seneca Weisheit nicht ein erreichbarer Zustand, sondern Zielpunkt allen Erkennens und Handelns ist, der ständiges Streben erfordert.
Wissen, dass Glücksstreben ein ethisches Axiom ist, dass aber die Antworten, worin das Glück zu sehen ist, differieren.
Wissen, dass tranquillitas animi, securitas, libertas für Seneca zu den Hauptzielen des Philosophierens gehören
Erkenntnis, dass der juristisch-soziale Aspekt des Freiheitsbegriffes von dem moralischen zu unterscheiden ist
Erkenntnis, dass Freiheit im Sinne der stoischen Philosophie ohne die Befreiung von Affekten nicht möglich ist.
Wissen, dass die Stoiker unter Affekten alles verstehen, was geeignet ist, die tranquillitas animi zu stören, also auch Freude und Hoffnung
Einsicht, dass sapiens im Sinne der Stoa der Mensch ist, der im Besitz der absoluten inneren Freiheit ist
Verstehen, warum es als ein Kriterium der Weisheit gilt, wenn der Mensch in seinem Handeln mit sich selbst identisch ist.
Erkenntnis, dass die innere Freiheit vor allem durch die Todesfurcht bedroht ist
Erkenntnis, dass nach stoischer Auffassung nicht die Länge des Lebens, sondern dessen sittliche Gestaltung die Vollendung des Lebens ausmacht
Wissen, dass die Stoa den Freitod billigt, wenn äußere Umstände (necessitates) ein sittliches Leben (bene vivere) unmöglich machen
Kenntnis der Faktoren, die für den Stoiker den Freitod gegebenfalls nicht erlauben
Wissen, dass der stoische Humanitätsgedanke sich aus der Vorstellung ergibt, dass alle Menschen Glieder und Teilhaber einer gemeinsamen Natur sind
Wissen, dass Seneca die praktischen Konsequenzen aus diesem Humanitätsdenken zieht, indem er für eine humane Behandlung der Sklaven eintritt
Fähigkeit, den Unterschied zwischen dem Gleichheitsdenken des Stoikers und der modernen Auffassung von Menschenrechten zu verstehen
Erkenntnis, dass auch zunächst unmittelbar einleuchtende Begriffe und scheinbar selbstverständliche Wertvorstellungen überprüft und in ihrer Scheinhaftigkeit demaskiert werden müssen
Bereitschaft, die Forderung nach der congruentia vitae et doctrinae ernst zu nehmen
Fähigkeit, die Diskrepanz zwischen ideologischem Anspruch und politischer Wirklichkeit am Beispiel Roms als eine Problematik menschlicher Existenz zu erfassen
Erkenntntnis, dass Macht und Wohlstand das Verhalten der Menschen beeinflussen, verändern und verschlechtern können
Einsicht in die historische Bedingtheit der Werte einer Gesellschaft und ihrer Beurteilung
3.1 allgemeine Lernziele
Wissen, dass die Frage nach der rechten Erziehung zugleich eine Frage nach sittlichen Werten ist
Wissen, dass das europäische Lustspiel ohne die römische Komödie undenkbar ist
Wissen, dass die röm. Komödie bestimmte Typen des europäischen Lustspiels vorgeprägt hat (servus = Butler, Zofe – stultus senx: komischer Alter)
Erkenntnis, dass die Frage nach der rechten Erziehung zu allen Zeiten gestellt wurde und das Wortpaar „autoritär – antiautoritär“ keinesfalls modern ist.
Erkenntnis, dass der Mensch es immer komisch findet und darüber lacht, wenn ein anderer, vom Schein gefangen, über das Sein stolpert
Erkenntnis, dass Dichter um des Erfolges willen auch Zugeständnisse machen
Erfahrung, dass die Komödie oft als Regulativ funktioniert: der Mensch macht sich für Augenblicke von seiner Lebenswirklichkeit frei und begibt sich in eine Scheinwelt, in der er seine geheimen Wünsche abreagieren kann, sei es nur, indem er diese anderen zuschreibt, weil sie nach den geltenden Wertvorstellungen als „schlecht“ verworfen werden